Empfehlen | Drucken | Kontakt20.02.2009 - 00:00 Uhr

Jetzt Frankfurt: Pfusch-Arzt vom Rhein macht weiter am Main

Von FLORIAN JOCHAM
Das Ehepaar Jan und Annegret Herrentals - ihr wurde eine falsche Knieprothese eingesetzt. Die Röntgenbilder zeugen davon.
Das Ehepaar Jan und Annegret Herrentals - ihr wurde eine falsche Knieprothese eingesetzt. Die Röntgenbilder zeugen davon.
Foto: Jocham

Leverkusen - Stellen Sie sich vor: Sie sollen am linken Bein operiert werden. Aber der Arzt schneidet bei der OP das rechte auf.

Danach wird Ihnen auf der richtigen Seite ein künstliches Kniegelenk eingesetzt. Doch: Es ist zu klein, schief eingesetzt, muss wieder raus. 25 Patienten beklagen sich über ähnliche Vorfälle.

Und alle wurden vom selben Chirurgen operiert: Prof Dr. Jochen T. (62, Name geändert). Das Klinikum Leverkusen entließ den Arzt, einige Opfer bekamen Schmerzensgeld. Doch jetzt operiert er in Frankfurt/Main weiter.

„Es knarrte wie eine alte Tür, ich hatte höllische Schmerzen“, erzählt Annegret Herrentals (64). Nachdem der Arthrose-Patientin 2001 von Chefarzt Prof Dr. Jochen T. ein künstliches Kniegelenk eingesetzt worden war, verschlimmerte sich ihr Zustand. Mehrere Gutachten sprechen von einem „operationstechnischen Fehler“. Erst nach mehreren Operationen durch andere Ärzte kann die Leverkusenerin wieder problemlos laufen.

Sie klagte gegen T., den damaligen Leiter der Leverkusener Unfallchirurgie, bekam über 40 000 Euro Schmerzensgeld. Ein anderer Patient T.s erhielt 53.000 Euro. Der zweifelhafte Arzt wurde vom Dienst suspendiert.

Bei Ursula Monien (54) kam es noch schlimmer: Sie sollte links die Knieprothese bekommen, T. schnitt aber zunächst das rechte Knie auf. „Das falsche Bein war abgedeckt“, so T. zu diesem Vorfall.

In den folgenden Monaten beklagte sich die Leverkusenerin über dauerndes Unsicherheitsgefühl im Knie. Auch hier musste die Prothese ausgetauscht werden. T. hatte deutlich zu viel Knochenmasse entfernt, das künstliche Kniegelenk war zu klein. Ein Gutachter kommt zu dem Befund: „Grober Behandlungsfehler.“

Anwältin Maia Steinert kämpft seit 20 Jahren für das Patientenrecht. Sie vertritt die rund 35 Orthopädie-Opfer des Leverkusener Pfusch-Arztes. Bei fünf Patienten von T. konnte sie ein Schmerzensgeld erstreiten: Zwischen 4000 und 53.000 Euro. Viele Fälle sind allerdings verjährt. „Das Problem ist, dass viele Opfer von Ärztepfusch sich kein teures Gutachten leisten können“. T. hat weiterhin seine Approbation, ist als Belegarzt in der Unfall- und orthopädischen Chirurgie einer Frankfurter Klinik tätig. Zu den Vorwürfen sagt er: „Ich akzeptiere die Gerichtsurteile.“

Grobe Behandlungsfehler weist er von sich. Steinert ist entsetzt: „Es ist grausam, dass dieser Arzt weiter operieren darf.“

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