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Jäger & Albers: Der Rauswurf erfolgte im Vier-Augen-Gespräch

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Ralf Jäger informierte Wolfgang Albers in einem Vier-Augen-Gespräch.

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imago/Revierfoto

Köln -

Am Freitag um 17 Uhr hat NRW-Innenminister Ralf Jäger (54, SPD) die Notbremse gezogen. Er versetzt den Kölner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers (60) in den einstweiligen Ruhestand. Damit zieht er die Konsequenzen aus den skandalösen Vorgängen in der Silvesternacht in Köln.

Deshalb versetzt Jäger Albers in den Ruhestand
Düsseldorf, 08.01.16: Hier erklärt NRW-Innenminister Ralf Jäger, warum er Polizeipräsident Wolfgang Albers in den Ruhestand versetzt hat.

Der Kölner Polizei wird vorgeworfen, die Herkunft der Täter aus politischen Gründen bewusst vertuscht zu haben. Und dafür muss Albers seinen Hut nehmen. Jäger erklärte: „Meine Entscheidung ist jetzt notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Handlungsfähigkeit der Kölner Polizei zurückzugewinnen – auch mit Blick auf die anstehenden Großveranstaltungen.“

Scharfe Kritik in Telefonkonferenz am Morgen

Bereits am Morgen hatte Jäger die Informationspolitik der Kölner Polizei nach den gewalttätigen Sex-Übergriffen auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof in der Telefonkonferenz mit den Spitzenpolitikern der rot-grünen Regierungskoalition scharf kritisiert.

Jäger erklärte, das Vertrauen der Bürger in die Glaubwürdigkeit der Polizei sei erschüttert. An der Schalte nahmen auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (54, SPD) sowie der Kölner Finanzminister Norbert Walter-Borjans teil (63, SPD) teil. 

Jäger ging in dem kurzfristig anberaumten Krisengipfel auf kritische Fragen ein. Eine Entscheidung über die Entlassung war zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht gefallen.

In Landtagskreisen hieß es, Jäger wolle seine Bewertung der Vorgänge erst in der Sondersitzungssitzung des Innenausschusses am Montag abgeben.

Doch dann kommt alles anders: Um 14.37 Uhr veröffentlichte die Kölner Polizei eine Stellungnahme von Albers zu den Vorwürfen. Dabei soll Stillschweigen von allen Seiten bis Montag vereinbart worden sein. Hat sich der Polizeipräsidenten selber ins Knie geschossen?

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NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zog im Silvester-Skandal die Notbremse.  

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dpa

Albers: Vorwürfe der Verschleierung „vollkommen abstrus“

Albers wehrte sich heftig gegen eine mögliche Entlassung: „Mir vorzuwerfen, dass ich die Herkunft von Tatverdächtigen verschleiert hätte ist daher vollkommen abstrus.“ Obwohl er sowohl der Oberbürgermeisterin Henriette Reker als auch der Öffentlichkeit bei einer Pressekonferenz vorenthalten hatte, dass ein Großteil der überprüften Personen tatsächlich Flüchtlinge aus Syrien waren, behauptete er nun:

„Ich habe immer wieder verdeutlicht, dass sich viele der von diesen Maßnahmen Betroffenen mit vom »Bundesamt für Migration und Flüchtlinge« ausgestellten Dokumenten auswiesen.“

Eine Behauptung, um doch noch seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen?

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Wolfgang Albers (59) kehrt nicht mehr an seinen Schreibtisch 

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Carsten Rust

Unter Albers stieg Kriminalität an

Albers war seit dem 30. September 2011 Polizeipräsident von Köln, zuvor in Bonn als Präsident tätig. Der gelernte Jurist war offensichtlich mit der Leitung der Behörde überfordert. Denn unter seiner Führung stieg die Kriminalität deutlich an.

In seiner Bonner Amtszeit war er dafür bekannt, Lösungen zu suchen, die niemandem wehtun.

Rauswurf im Vier-Augen-Gespräch

Jäger erklärte, er habe Albers seine Entscheidung in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt.

„Herr Albers hat für meine Entscheidung großes Verständnis aufgebracht. Das verdient Respekt“, sagte der Innenminister.

Die Kölner Polizei habe jetzt die wichtige Aufgabe, die Vorfälle in der Silvesternacht vollständig aufzuarbeiten und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Der NRW-Innenminister: „Die Menschen wollen zurecht wissen, was in dieser Silvesternacht passiert ist, wer die Täter sind und wie solche Vorfälle zukünftig verhindert werden können. Die Kölner Polizei wird ihre Ermittlungsarbeit ungeachtet der heutigen Entscheidung mit voller Intensität fortführen.“

Ob der Skandal mit der Entlassung beendet ist, ist zu bezweifeln. FDP-Chef Christian Lindner (37) brachte bereits die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses im Düsseldorfer Landtag ins Gespräch.

Gregor Golland (41), Innen-Experte der CDU im Landtag, sagte dem EXPRESS: „Die Entlassung war längst überfällig, ist aber kein Befreiungsschlag. Ab jetzt steht der Innenminister selbst unmittelbar im Focus.“  

Bereits am Mittwoch muss Jäger im Innenausschuss des Bundestages Rechenschaft zu Vorfällen in Köln ablegen. Armin Schuster (CDU), Obmann der Unionsfraktion, sagte dem EXPRESS:

„Herr Jäger muss unter anderem den Einsatz einer bescheidenen Kräfte-Anzahl aus seinem Zuständigkeitsbereich erklären. 143 Landesbeamten  für den gesamten Innenstadt-Bereich stehen knapp 70 Bundespolizisten inklusiver robuster Einheit allein für das Bahnhofsinnere gegenüber. Da stimmt etwas nicht.“  

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