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Irrtum der Kölner Beamten: Polizisten verprügeln Schwarzen: Warum werden sie nicht bestraft?

Weil er nicht wusste, dass es sich bei den Verfolgern um Polizisten handelte, rannte der Student weg.

Weil er nicht wusste, dass es sich bei den Verfolgern um Polizisten handelte, rannte der Student weg.

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Grafik: Durgut

Köln -

Eine Kölner Familie steht unter Schock, ihr Sohn ist traumatisiert. Der junge Mann wurde irrtümlich Opfer von Polizeigewalt. Doch für die erlittenen Schläge, Schmerzen und das zerstörte Handy gab es vom Polizeipräsidium keinen Cent Schadenersatz. Und auch keine Entschuldigung.

Was war passiert? Der deutsche Student mit nigerianischen Wurzeln kam mittags aus der Wohnung seiner Mutter im Kölner Norden, und bemerkte, dass ihm ein Wagen mit vier stämmigen, teils glatzköpfigen Kerlen folgte, erzählt sein Vater. „Als ihn die Männer ans Auto riefen und dabei schnell aussteigen wollten, um ihn zu greifen, rannte er aus Angst davon. Das hätte wohl fast jeder getan.“ Was der Student nicht wusste: Die Männer waren Zivilbeamte – auf der Suche nach einem Straftäter. Und wer da plötzlich wegläuft, muss eingefangen werden. Das nennt man in der Branche „polizeilicher Jagdinstinkt“.

Resultat: Der Student, der selber voller Panik „Hilfe, Polizei!“ rief, landete krankenhausreif geprügelt und gefesselt auf der Wache.

„Es war für mich alles unfassbar“, sagt der Vater, der ihn bei der Polizei abholen musste. „Ich wollte unbedingt mit den Polizisten sprechen, die meinem Sohn das angetan hatten. Sie sagten, dass sie den Falschen festgenommen haben und der Schaden natürlich ersetzt wird.“

Doch wie sich später herausstellen musste, war dieses Versprechen nichts wert.

In einem Polizeischreiben an den Anwalt der Familie heißt es später: „Die Maßnahme der eingesetzten Polizeibeamten stellt keine Amtspflichtverletzung dar. Ein Schadenersatzanspruch bzgl. der beschädigten Wertgegenstände und der Körperverletzung ist nicht gegeben.“ Intern wurde derweil gegen die Beamten ein Strafverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet. Doch die Staatsanwaltschaft Köln stellte das Verfahren ein: „Ein Fehlverhalten der eingesetzten Beamten konnte nicht festgestellt werden.“ Im Klartext: Alles nur halb so wild, keine Strafe! Auch kein Schmerzensgeld (Quetschung der Unterlippe, Prellungen, Angstzustände) und kein Schadenersatz für Mobiltelefon und Kopfhörer (rund 300 Euro). Von Krankenhaus und Rechtsanwaltskosten ganz zu schweigen. Besonders mies: Es gab noch nicht mal eine Entschuldigung beim Opfer...

„Wir bleiben dabei: Die Kollegen haben rechtmäßig gehandelt“, so ein Polizeisprecher auf EXPRESS-Anfrage. „Es war einfach eine Verkettung unglücklicher Umstände.“