Sie haben ganz ruhige Hände – und dazu Nerven wie Drahtseile. 18.18 Uhr: Dieter Daenecke (59) und Wolfgang Wolf (57) vom Kampfmittelräumdienst entschärfen die riesige Bombe, die drei Meter tief im Boden liegt. Daenecke nimmt sich den Kopfzünder vor, Wolf den Heckzünder. Gleichzeitig! Es geht ganz schnell: Sie arbeiten 20 Minuten, dann ist die Gefahr vorbei!
Die 20-Zentner-Bombe aus dem 2. Weltkrieg: 1,76 Meter lang, 60 Zentimeter Durchmesser. In Fachkreisen wird sie wegen ihrer enormen Zerstörungskraft „Wohnblockknacker“ genannt. Sie sorgte gestern für die größte Evakuierungsaktion, die Köln in Friedenszeiten erlebt hat. Einsatzleiter und Ordnungsamtschef Robert Kilp: „Wenn die Bombe hochgeht, werden alle Häuser im Nahbereich restlos zerstört.“
Rund 6000 Menschen mussten deshalb ihre Wohnungen in Riehl und Mülheim verlassen. Die Mülheimer Brücke wurde gesperrt, die Schifffahrt eingestellt, der Luftraum gesperrt.
Die Bombe war in der Nähe der Jugendherberge gefunden worden. Der Kampfmittelräumdienst hatte dort im Vorfeld gezielt nach Bomben gesucht, weil Leitungen verlegt werden sollten.
Zunächst rückte Donnerstag ein Bagger an, zum Schluss wurde die Bombe mit Schaufel und Harke vorsichtig freigelegt.
Nervosität, Kribbeln im Bauch, Anspannung? Nicht bei den beiden Entschärfungs-Spezialisten. „Seh ich nervös aus?“, fragte Wolf nach der Arbeit in die Runde. Nein, wirklich nicht: Er war die Ruhe selbst. „Angst ist ein schlechter Ratgeber“, ergänzte sein Kollege Daenecke.
Später wurde die komplette Bombe gehoben, sie baumelte an einer Baggerschaufel. Die Bombe wird nun in ein Munitionszwischenlager transportiert, später zerlegt. „Das war mit Sicherheit nicht die letzte große Bombe in Köln“, glauben die Spezialisten.
Daenecke sprach der Stadt ein Lob aus: „Wir haben selten eine so gut durchgeplante Maßnahme erlebt wie jetzt in Köln.“ Die Kosten für die Entschärfung (Auffinden, Bergung, Entschärfung, Entsorgung) werden vom Land NRW getragen.
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