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Express.de | Härtester Staatsanwalt: Bülles meldet sich aus dem Ruhestand und geht auf Kölner Justiz los
14. March 2014
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Härtester Staatsanwalt: Bülles meldet sich aus dem Ruhestand und geht auf Kölner Justiz los

Der ehemalige Kölner Oberstaatsanwalt Egbert Bülles (67) meldet sich aus dem Ruhestand.

Der ehemalige Kölner Oberstaatsanwalt Egbert Bülles (67) meldet sich aus dem Ruhestand.

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dpa

Köln -

Vor ihm zitterten Banden-Bosse, Ring-Zuhälter, Millionen-Betrüger. Egbert Bülles (67) brachte sie alle in den Knast. Er war Kölns härtester Staatsanwalt.

Mit Sorge meldet er sich zurück aus dem Ruhestand – und sagt mit Blick auf die Kriminalitätsstatistik: „Wir sind auf dem besten Weg, den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität zu verlieren.“

Er hat 36 Dienstjahre hinter sich, war zuletzt Oberstaatsanwalt und Chef-Ermittler im Bereich der Organisierten Kriminalität. Sein Resümee ist ernüchternd.

„Früher hatte man den deutschen Ganoven, der gab alles zu, wenn man ihn erwischt hat, und dann gab es einen fairen Prozess“, erzählt Bülles dem EXPRESS. Man kannte seine Pappenheimer. Das sei heute anders.

Die Öffnung der EU in Richtung Osten habe immer mehr Banden ins Land geschwemmt. „Es spricht niemand meiner Kollegen gerne aus, aber 50 bis 70 Prozent der Straftaten werden heute von Ausländern begangen“, erklärt Bülles. Autodiebe aus Litauen, Zuhälter aus Bulgarien oder Trickdiebe aus Rumänien.

Die Masche: Ausländische Banden-Chefs schicken junge Menschen nach Deutschland, damit sie hier Straftaten begehen. Bülles: „Werden sie erwischt, droht ihnen in Köln keine große Strafe. Deswegen kommen sie hier hin und nicht nach Bayern.“

Bülles, der kürzlich das Buch „Deutschland Verbrecherland?“ (Econ-Verlag, 18,99 Euro) veröffentlichte, fordert eine Aufstockung der Polizeikräfte.

„Wir bekommen nur bei einem Bruchteil der Rauschgiftdeals die Nase dran“, sagt er und verweist auf eine große Dunkelziffer von Straftaten. „Je weniger Beamte, desto weniger wird ermittelt und aufgeklärt. So einfach ist das.“

Der Oberstaatsanwalt a. D. hofft auf eine neue Richter-Generation in Köln. „Die Alt-68er haben sich eher als evangelische Pfarrer verstanden, die Straftäter als Opfer der Gesellschaft ansehen.“

Zum Glück sterbe diese berufliche Generation langsam aus. Der Nachwuchs, auch bei der Staatsanwaltschaft, sei vielversprechend, mutig und weniger naiv.

Das sagt der Chef vom Amtsgericht

Die Kölner Justiz zu lasch? „Nein“, sagt Henning Banke (59), Präsident des Amtsgerichts, im Gespräch mit EXPRESS. „Wir können nur das verhandeln, was von der Staatsanwaltschaft angeklagt wird“, kontert Banke die Kritik von Egbert Bülles.

Warum steckt man Straftäter, die nur zum Klauen und Betrügen nach Deutschland kommen, nicht einfach mal in den Knast? „Meist haben wir es hier mit Ersttätern zu tun“, erklärt der Gerichtschef. Und die seien zu behandeln, wie jeder andere Angeklagte auch.

Oft hätten die Täter Familie, die im Ursprungsland auf sie wartet. Das sei für viele der Antrieb, sich von den Hintermännern schicken zu lassen. Die Rückfallquote sei bei erwischten Tätern dieser Art nicht sehr hoch. Daher gäbe es oft Bewährung.

Banke sieht die Kriminalitätsentwicklung dennoch mit Sorge. „Körperverletzungen werden brutaler. Wo früher aufgehört wurde, wenn jemand am Boden lag, wird heute noch mal nachgetreten.“

Auch der Gerichtschef fordert mehr Personal bei der Polizei, um etwa besser gegen Einbrecher vorgehen zu können. „Durch Wohnungseinbruch werden die Opfer oft traumatisiert.“

Das Strafgesetzbuch sieht Banke als ausreichend an, Straftäter zu sanktionieren. Als positives Beispiel nennt er das Kölner Schnellgericht. Ganoven werden hier schon wenige Tage nach ihrer Tat im Eilverfahren abgeurteilt.