Das wird das Fiasko auf unseren Straßen weiter verschärfen. Radfahrer müssen bald nicht mehr die Radwege nutzen, sondern können auch direkt daneben auf der Straße fahren. Die Stadt steht vor einem Riesenproblem.
Radwege, die die Städte für Millionen gebaut haben, sind nicht mehr Pflicht, sondern nur „ein Angebot“ für Radler. Das ist nach dem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig mit dem Aktenzeichen BVerwG 3 C 42.09 die neue Lage.
Hunderte blaue Gebotsschilder ordnen noch die Radwegenutzung an. Denn jahrelang galt landauf, landab, dass man zur Unfallverhütung Radler und Autos trennen müsse.
Dieser Grundsatz war den Richtern nun viel zu allgemein, um den Radlern die Straße generell zu verbieten. Außerdem hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass abgesetzte Radwege auf den Bürgersteigen ein höheres Unfallrisiko bedeuten, als das Radeln auf der Straße. Immer wieder kracht es dort mit Fußgängern und an Einmündungen mit Autos.
Nach dem Urteil muss die Stadt reagieren. „Wir haben bereits rund 100 Abschnitte in Bearbeitung“, bestätigt Kölns Fahrradbeauftragter Jürgen Möllers: „Die Nutzungspflicht darf als absolute Ausnahme nur noch aufrechterhalten werden, wenn die Straße eine »erheblich gesteigerte Gefahr«, quasi für Leib und Leben, darstellt.“ Und das sei bei den allermeisten nicht der Fall. Heißt: Schilder abmontieren. Auf der Krefelder Straße fange die Stadt an.
So blühen uns raderdolle Zeiten: Autos schleichen auf der Straße hinter einem Radler her - dabei ist daneben ein freier Radweg. „Das wird problematisch“, fürchtet Möller.
Zumindest die Radspuren, die wie etwa auf der Venloer Straße auf der Straße mit gestrichelten Linien gekennzeichnet sind, sind noch über das Rechtsfahrgebot zu nutzen. Neue Radwege, wie auf der Cäcilienstraße, werden gleich auf den Fahrbahnen geplant.
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