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Express.de | Fünfjähriger hirntot: Warum kam die Hilfe für Ensar so spät?
03. September 2013
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Fünfjähriger hirntot: Warum kam die Hilfe für Ensar so spät?

Olcay Aksoy macht den Bademeistern große Vorwürfe, weil sie nicht sofort halfen.

Olcay Aksoy macht den Bademeistern große Vorwürfe, weil sie nicht sofort halfen.

Köln -

Ensars Eltern durchleben einen Alptraum. Vergangenen Freitag wurde ihr fünfjähriger Sohn im Höhenbergbad leblos auf dem Wasser treibend gefunden. Jetzt stellten Ärzte den Hirntod des Fünfjährigen fest. Die Köln-Bäder und die Familie des Jungen geben sich gegenseitig die Schuld.

Dabei wollte Erkan A. (37) mit seinen Jungs nur einen schönen Tag im Höhenbergbad verbringen. Um kurz nach 14.30 Uhr wurde es Ensar (5) im Außenbereich zu kalt. Er wollte in eines der Innenbecken. Auch Bruder Enes (11) wollte rein. Vater Erkan packte draußen noch die Taschen und kam nach.

„Ich habe Ensar drinnen nicht gefunden. Enes und ich fingen an zu suchen. Da sah ich ihn in dem Becken treiben. Ich zog ihn sofort raus und rannte mit ihm zum Bademeisterhäuschen“, schildert Erkan A. die schlimmen Minuten.

Doch weit und breit war keine Fachkraft zu sehen. Erst Badegast Olcay Aksoy (27) reagierte auf die Hilfe-Schreie des Vaters. „Ich hatte meine Kinder umgezogen und bin sofort aus der Kabine gelaufen. Da sah ich den Jungen auf dem Boden, daneben sein Vater. Ich habe mit der Herzmassage begonnen. Ein Bademeister kam, stand tatenlos daneben, bis ich ihn anbrüllte, dass er helfen und 112 wählen soll.“

Fatal: Laut Aksoy kamen Sanitäter und Arzt erst, nachdem er Ensar schon 17 Minuten lang wiederbelebte. Aber das Einsatzprotokoll zeigt: Nur sechs Minuten nach dem Notruf bei der Feuerwehr waren die Retter vor Ort. Haben also die Bademeister elf lebenswichtige Minuten gewartet, bevor sie anriefen? Das müssen die polizeilichen Ermittlungen ergeben, Zeugen werden dringend gesucht (0221/22 90).

Ärzte prüfen jetzt in bestimmten Abständen bei dem Jungen, ob die Gesamtfunktionen des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms unveränderbar erloschen sind.

Die Kölnbäder weisen die Schuld von sich: „Es ist schrecklich. Aber gerade für Kinder, die nicht schwimmen können, haben die Eltern die Aufsichtspflicht. Darauf weisen wir auf Schildern hin“, sagt Kölnbäder-Manager Marc Rieman. „Der Junge trug auch keine Schwimmflügel. Und unsere Bademeister können nicht immer und überall sein.“