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Fragebogen empört Eltern: Müssen Neunjährige wissen, was ein Orgasmus ist?

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Ein neunjähriger Knirps in der vierten Klasse einer Kölner Grundschule. Muss er in diesem Alter wissen, was ein Orgasmus ist?
Ein neunjähriger Knirps in der vierten Klasse einer Kölner Grundschule. Muss er in diesem Alter wissen, was ein Orgasmus ist?
 Foto: dpa
Köln –  

Es ist ein heikles Thema: Wie viel Sex-Wissen ist gut für Neunjährige? Müssen sie im Unterricht der vierten Klasse schon „alles“ wissen? Was ein Orgasmus ist?

Welche Worte es für „Sex haben“ gibt? Aufzeichnen, was beim Geschlechtsverkehr geschieht? Eltern der Katholischen Grundschule Lindenburger Allee in Lindenthal jedenfalls waren entsetzt, als ihre Pänz mit „Hausaufgaben“ nach Hause kamen.

Hinter den roten Backsteinmauern eines schönen Altbaus rumort es unter den Eltern der vierten Klasse. Die Frage ist: Wie intim, wie offensiv darf der Sexualunterricht sein? Ein Vater sagt dem EXPRESS: „Das, was da gerade passiert, ist Porno-Unterricht. Dagegen wehren wir uns.“

Seit einer Woche werden die Kinder in Sexualkunde unterrichtet. Unter der Fragestellung „Wie ist das mit dem Kinderkriegen?“ bekamen die Schülerinnen und Schüler vor zwei Tagen ein Arbeitsblatt mit nach Hause. Da heißt es: Was ist ein Orgasmus?

Oder: „Was geschieht beim Geschlechtsverkehr, damit ein Baby entstehen kann? Zeichne und schreibe es auf!“ Oder: „Es gibt viele Worte für Geschlechtsverkehr, schöne und weniger schöne. Einige hast du schon kennengelernt (Sex haben, miteinander schlafen). Welche kennst du noch?“

Dieser Fragebogen empört Kölner Eltern. Ist er wirklich so schlimm?
Dieser Fragebogen empört Kölner Eltern. Ist er wirklich so schlimm?

Das ist nicht ungewöhnlich, denn Sexualkunde gehört zum Lehrplan von Grundschülern. Der Fragebogen ist aus dem Buch „Bausteine Grundschule“ (1998). Aber wie weit darf eine Schule bei Neun- und Zehnjährigen mit diesem heiklen Thema gehen?

In den Richtlinien für die Sexualerziehung in NRW, herausgegeben vom Schulministerium, steht: „Das Schulordnungsgesetz gebietet es, dass die Schule Ziel, Inhalt und Methoden der Sexualerziehung den Erziehungsberechtigten bekanntgibt, begründet und mit ihnen berät. Da das methodische Vorgehen zumeist auch vom Medieneinsatz bestimmt wird, erstreckt sich die Informations- und Beratungspflicht auch auf die Medien.“

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An der KGS Lindenburger Allee sei das nicht geschehen, klagen Eltern. Der Klassenlehrer habe die Kinder und ihre Eltern mit dem Hausaufgaben-Fragebogen regelrecht „überfahren“. Schulleiterin Christine Werner entgegnet: „Die Eltern der betroffenen Klasse sind zu Beginn des Schuljahrs im Rahmen eines Elternabends darüber informiert worden, dass im zweiten Halbjahr Sexualkunde-Unterricht ansteht.“

Das reiche eben nicht, meinen die Eltern. Tatsächlich läuft es an vielen Schulen anders: „Ich spreche zu Beginn jedes Halbjahrs bei einem Elternabend über die anstehenden Themen“, sagt Lehrerin Estefania Xettap. „Und über das Thema Sexualkunde ganz ausführlich.“ Der Lehrer könne selbst entscheiden, ob er diesen Fragebogen einsetzt.

Vom Sexualkunde-Unterricht ausschließen können die Eltern ihre Kinder nicht. „Allerdings können sie verlangen, dass bestimmte Fotos oder Inhalte nicht gezeigt werden“, sagt Werner.

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