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Folge 6: Hannelore Kraft: „Grandiose Aktion“

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

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dapd

Köln -

Interview mit der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft:

Integration von Behinderten ist immer noch ein Randthema in Gesellschaft und Unternehmen. Können da solche Projekte wie das von der Macromedia-Hochschule und EXPRESS helfen?

Hannelore Kraft: Die Möglichkeiten, Behinderte zu integrieren sind da, aber es fehlt leider noch zu oft ein bisschen der Wille. Manchen Unternehmen scheint es einfacher, eine Behindertenabgabe zu zahlen. Was die Unternehmen unterschätzen, ist der Gewinn, den sie für sich selbst erzielen.

Worin sehen Sie die Vorteile für die Unternehmen?

Hannelore Kraft: Behinderte Menschen bringen völlig neue Ideen und Aspekte ins Unternehmen. Vielfalt – auch mit Behinderten – ist etwas, was stärker macht. Dass sich der EXPRESS da engagiert, finde ich grandios.

Wie lange wird es dauern, bis Normalität zwischen Behinderten und Nichtbehinderten herrscht?

Hannelore Kraft: Bis wir die Inklusion umgesetzt haben - ich spreche nicht nur über Kitas und Schulen, bis das Normalität wird - behinderte und Nichtbehinderte zusammen - das dauert, eine Generation, wenn nicht zwei.

Sind dennoch schon positive Veränderungen in der Gesellschaft erkennbar?

Hannelore Kraft: Es verändert sich jetzt schon sehr viel, wenn etwa behinderte und nichtbehinderte Kinder in der Kita gemeinsam spielen und in der Schule gemeinsam lernen. Für mich ist es immer eine besondere Erfahrung, in eine Behinderteneinrichtung zu gehen und zu sehen, wie herzlich es dort zugeht.

Trotzdem gibt es immer noch viel zu tun oder?

Hannelore Kraft: Wir müssen als Gesellschaft an vielen Stellen noch besser werden, aber das kann man politisch nicht verordnen, sondern wir müssen einen offenen Dialog anstoßen, über den wir die Gesellschaft mitnehmen. Es gab ja hier in Köln eine Umfrage, die ich wirklich fantastisch fand. Die zeigte, dass Eltern nichtbehinderter Kinder dem gemeinsamen Lernen sehr positiv gegenüber stehen. Das ist nicht überall so. Da liegt noch eine Menge Arbeit vor uns - vor allem bei den Schulen.

Was wollen Sie im Hinblick auf die Schulen unternehmen?

Hannelore Kraft: Sylvia Löhrmann und ich, wir wollen das Schritt für Schritt, aber konsequent umsetzen – gemeinsam mit Lehrern, Eltern und Schülern. Und ich hoffe sehr, dass wir das in einem zweiten Schulkonsens über parteipolitische Grenzen hinweg miteinander in den nächsten Jahren umsetzen können.

Was ist jetzt zu tun, Frau Kraft?

Hannelore Kraft: Wenn wir nicht mehr wollen, dass Menschen abseits stehen, nur weil sie ein bisschen „anders“ sind, im Rollstuhl sitzen, schlecht sehen können oder länger zum Lernen brauchen, wenn wir sie stattdessen in unserer Mitte aufnehmen und ihre Talente erkennen, dann werden wir auch Möglichkeiten finden, uns gemeinsam als Gesellschaft besser zu entwickeln. In anderen europäischen Ländern ist das längst gang und gäbe.