Köln - Marc Verhaert ist ein Phänomen: 164 Operationen, sieben Finger und beide Füße zur Hälfte weg. Herzinfarkte, Gehirnschlag, eine Seite zu 30 % gelähmt. Und dieser Typ fährt mit seinem Rollstuhl von Köln in die Normandie.
Marc Verhaert lebt und liebt das Extreme. Als Fallschirmjäger bei der belgischen Armee hat er 5.000 Absprünge. Raucht 75 Zigaretten am Tag. Auch dann noch, als er drei Herzinfarkte bekommt, kein Gefühl mehr in den Armen und Beinen hat und bei ihm Raucherbein diagnostiziert wird.
1986 war das, und eine Amputation unausweichlich. „Man hat Stück für Stück immer mehr von mir abgeschnitten“, erinnert sich der 55-Jährige. „Erst als sie mir auch noch meine Beine abnehmen wollten, habe ich es geschafft, endlich mit dem Rauchen aufzuhören.“
Verhaerts Kölner Arzt Dr. Bernhard Bulling will die Beine seines Patienten retten. Behandelt ihn mit blutbildenden Infusionen, schafft es, dass die Wunden sich schließen.
Aber: „Das dauerte vier Jahre. Weil ich mich nicht bewegen konnte, wog ich 146 Kilo“, so Marc. Er will raus, Sport machen. Und entdeckt das Fahren mit dem Handbike: Ein Rad, das mit den Armen angetrieben wird.
Verhaert wird zum Marathon-Mann: „Für meinen ersten brauchte ich noch 2.30 Stunden, jetzt schaffe ich ihn in einer Stunde und 24 Minuten. Mittlerweile nehme ich auch auch als einziger Behinderter an Triathlons und Fahrradrennen teil.“
Dann die große Herausforderung: „Ich wollte Dr. Bulling in der Normandie besuchen!“ Verhaert konstruiert ein eigenes Handbike mit Anhänger, packt Zelt, Schlafsack, seinen Rollstuhl hinein. Zieht 160 Kilo hinter sich her.
Extreme Steigungen, 19 platte Reifen, 24 mal reißt die Kette am Bike - Marc repariert und kurbelt, was der Bizeps hergibt. Bis an der Autobahnbrücke „Pont Du Normandie“ über die Seine die Fahrt zu Ende scheint. „Da hat die Polizei für mich in der Nacht die Brücke gesperrt und mich mit Blaulicht hinüber- begleitet. Ich war ihnen sehr dankbar!“
Nach sechs Tagen hat er es geschafft, kommt am Ferienhaus seines Arztes an: „Ich traute meinen Augen nicht“, staunt Dr. Bulling noch immer.
Als Verhaert wieder zu Hause ist, hat er 1.209 Kilometer mit dem Handbike zurückgelegt. Und ein neues Ziel: „Der Jakobsweg. Vielleicht finde ich ja sogar einen Sponsor.“
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