Vor der 5. Zivilkammer des Landgerichts hat am Dienstag die juristische Aufarbeitung des Einsturzes des Historischen Stadtarchivs begonnen. Mehrere Sammler, die ihre Schätze dem Archiv anvertraut haben, verklagen die Stadt.
Und ihr Anwalt Dr. Louis Peters nahm im Saal Nummer 126 kein Blatt vor den Mund:„Das Gedächtnis der Stadt Köln ist hier untergegangen. Die Stadt hätte das Archiv rechtzeitig evakuieren müssen. Selbst im Bombenkrieg sind alle Schätze erhalten geblieben, weil die Archivalien rechtzeitig in Sicherheit gebracht wurden.“
Peters vertritt mehrere Leihgeber, die der Stadt eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vorwerfen (Az. 5 O 257/09). Unter anderem Dorothea von Wittgenstein, die dem Archiv ihre Familienchronik als Leihgabe zur Verfügung gestellt hatte (darin ging es um den ersten Präsidenten des Festkomitees Kölner Karneval, Heinrich von Wittgenstein).
Zu EXPRESS sagt Peters:„Schon als die Tunnelbohrer anrollten, hätte das Archiv evakuiert werden müssen. Im Kalk-Karrée und im Diözesanmuseum standen Kilometer Regalfläche frei.“
Die Stadt sei schlecht organisiert gewesen. Jetzt soll zumindest festgestellt werden, dass den Leihgebern ein Schaden entstanden ist.
Dr. Winfried Schnepp, der die beklagte Stadt Köln vertritt, ist anderer Meinung:„Wir haben alles richtig gemacht. Nach Auftritten der Risse wurden Anfang des Jahres zwei Statiker bestellt“, sagte er auf dem Gerichtsflur. Die hatten bescheinigt, dass das Archiv standsicher sei.
Richter Reinhold Becker deutete aber an, dass er Verständnis für die Position der Stadt hat. „Die Beklagte hat als baulicher Laie erst einmal das Richtige gemacht und Fachleute eingeschaltet.“ Ob ein hydraulischer Grundbuch vorhersehbar gewesen sei, müssten weitere Ermittlungen klären. „Was letztlich an Klagen auf die KVB zukommt, ist offen“, so Becker.
Beim nächsten Gerichtstermin im Januar sollen möglicherweise Zeugen gehört werden. Beim Einsturz des Historischen Stadtarchivs am 3. März entstand ein Millionenschaden, zwei Menschen starben.
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