Spektakuläre Wende in der Krise um Alice Schwarzers finanzgebeutelten Kölner Frauen-Media-Turm: Jetzt bekommt die Feministin Hilfe aus einer völlig unerwarteten Ecke: von einer einstigen „Intim-Feindin“.
Ausgerechnet Bundesfamilien-Ministerin Kristina Schröder (CDU) beschloss in Berlin, das Frauenarchiv vier Jahre lang mit je 150 000 Euro zu unterstützen.
„Ich mache das aus Freude und Überzeugung“, so die Ministerin. „Denn bei der Förderung von Projekten geht es nicht um die Übereinstimmung in jeder Tonlage.“ So wären die 140 000 Euro, die die rot-grüne Landesregierung an Zuschüssen gekürzt hatte, mehr als ausgeglichen.
Darüber ist wohl niemand überraschter als Alice Schwarzer. Denn Ende 2010 hatten sich Schwarzer und Schröder noch öffentlich gezofft.
Zuerst hatte die Ministerin Schwarzer und die Frauenbewegung in einem „Spiegel“-Interview angegriffen: „Ich glaube, dass zumindest der frühe Feminismus teilweise übersehen hat, dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden.“ Dann schlug Schwarzer in einem offenen Brief zurück: Als Frauenministerin hielte sie Frau Schröder „für einen hoffnungslosen Fall. Schlicht ungeeignet.“
Und nun Friede, Freude, frauensolidarischer Eierkuchen? „Es ist richtig: Schröder und ich hatten einen sehr scharfen politischen Schlagabtausch. Umso überraschter war ich, dass gerade sie bereit ist, den Frauen-Media-Turm zu fördern“, gibt Alice Schwarzer zu.
„So was machen gemeinhin nur Männer: Sich in der Sache streiten – und dann einen Schulterschluss machen, wenn es passt.“
Geht da etwa noch mehr? „Frau Schröder hat mich angerufen. Es war das erste Mal, dass wir überhaupt miteinander gesprochen haben. Und wir mussten beide lachen“, erzählt Alice Schwarzer. „Ich habe gesagt: „Ist doch nicht schlecht, dass wir mal miteinander reden – statt uns immer nur öffentlich zu streiten. Das fand sie auch.“
Für das Frauenarchiv im Turm – Domizil für 15000 Bücher, 26000 Zeitschriften, 33500 Aufsätze und auch Sitz der „Emma“-Redaktion – hofft Schwarzer, dass es „mit angemessenem Personal“ nicht nur online, sondern auch verstärkt als Bibliothek genutzt werden kann.
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