Köln - Christiane V. (48), Geburtsname Thomas, kam als Zwitter zur Welt. Mit Eierstöcken, Gebärmutter und einer zu großen Klitoris, von einer Hebamme als Penis interpretiert. Falsch interpretiert …
Mit 17 wurde Christiane, damals Thomas, operiert, aus ihrer Sicht „zwangsweise zum Mann gemacht“. Jetzt beschäftigen sich die Gerichte mit dem Fall. Und das seit Jahren.
Die Arzthaftungskammer des Kölner Landgerichts hat Christiane im vergangenen Jahr Schmerzensgeld zugesprochen. Zahlen soll der Chirurg, der ihr damals die intakten Eierstöcke und die Gebärmutter entfernte (Az. 25 O 179/07) und sie mit Testosteron-Therapien „zwangsweise zum Jungen“ gemacht haben soll.
Doch jetzt werden die Prozessakten noch einmal geöffnet. Grund: Der Arzt will partout nicht zahlen. Er ließ das Gericht wissen, dass er aus damaliger medizinischer Sicht alles richtig gemacht habe. Und deshalb in keinem Fall bereit sei zu zahlen.
Im Richterspruch war die Höhe des Schmerzensgelds offen geblieben. Krankenpflegerin Christiane fordert von Chirurg Dr. L. 100.000 Euro. Die Richter der Arzthaftungskammer werteten den Eingriff grundsätzlich als „rechtswidrig“.
Begründung: Der Mediziner habe seiner damals 18 Jahre alten Patientin ihre weiblichen inneren Geschlechtsorgane entnommen, ohne sie vorher umfassend aufzuklären. Damit habe er „in vorsätzlicher und schuldhafter Weise“ die Gesundheit der Klägerin verletzt.
In einer neuen Verhandlung soll noch im Frühjahr die Höhe des Schmerzensgeldes erörtert werden. Nach dem ersten Richterspruch hatte Christiane dem EXPRESS gesagt: „Ich bin total ruhig, ich habe das Gefühl, ich hätte eine Prüfung bestanden.“
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