Empfehlen | Drucken | Kontakt01.03.2011 - 19:47 Uhr

Stolpersteine erinnern an Familie Klein : Die Nazi-Opfer vom Agnesviertel

Von SANDRA EBERT
Das letzte gemeinsame Foto der Familie im Juli 1939 am Strand im holländischen Zandvoort. Tochter Ilse (unten rechts) sollte Eltern und Bruder nie mehr wiedersehen.
Das letzte gemeinsame Foto der Familie im Juli 1939 am Strand im holländischen Zandvoort. Tochter Ilse (unten rechts) sollte Eltern und Bruder nie mehr wiedersehen.
Foto: privat
Köln –  

„Ich habe noch nie solchen Hunger gelitten wie jetzt, kann mich kaum auf den Beinen halten.“

Erschütternde Zeilen des Kölner Juden Walter Klein im Sommer 1942 an seine Schwester Ilse. Der Brief war das letzte Lebenszeichen des 23-Jährigen. Nur wenige Tage später wurde er ins KZ Auschwitz deportiert. Seit Dienstag erinnert ein zehn mal zehn Zentimeter großer Stein mit Messingplatte an sein Schicksal und das seiner Eltern, des Kölner Rechtsanwalts Dr. Siegmund Klein und seiner Frau Helene.

Giorgio Sacerdoti verlegte die Steine mit Gunter Demnig (r.).
Giorgio Sacerdoti verlegte die Steine mit Gunter Demnig (r.).
Foto: Udo Gottschalk

Ihr Enkel, der italienische Völkerrechts-Professor Dr. Giorgio Sacerdoti, verlegte mit dem Künstler Gunter Demnig die drei Stolpersteine im Agnesviertel, vor dem Haus in der Blumenthalstraße 23. Hier hatte die Familie gelebt, bis sie 1939 ins holländische Exil floh.

Aus dem Versteck hielten sie mit Briefen Kontakt zu ihrer Tochter Ilse in Frankreich, die Sacerdoti nun im Buch „Falls wir uns nicht wiedersehen...“ (Prospero) veröffentlichte.

Im Oktober 1943 gab Siegmund erschüttert Nachrichten aus Köln weiter: dass die Synagoge in der Glockengasse geschlossen werden musste, „da alle weg sind, verschleppt oder tot.“

Sein Sohn Walter war in Auschwitz, seine Frau Helene an gebrochenem Herzen gestorben. Und auch er ahnte sein Ende: „An ein baldiges Wiedersehen mit meiner Tochter glaube ich nicht“, schrieb er. Drei Tage später wurde sein Versteck von einem Denunzianten verraten, der 69-jährige Siegmund ins KZ nach Auschwitz gebracht und dort vergast.

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