Empfehlen | Drucken | Kontakt17.05.2009 - 00:00 Uhr

Die gefühlte Angst: Im Juli eröffnet der Psycho-Knast in Westhoven

Von FLORIAN JOCHAM und PETER KÄSMACHER

Köln - Stellen Sie sich vor, Sie bekommen neue Nachbarn: Eine Forensik wird nebenan gebaut.

Für 150 psychisch kranke Straftäter im Maßregelvollzug. Mörder, Vergewaltiger, pädophile Straftäter werden hier untergebracht. Für rund 250 Menschen in Westhoven, darunter 40 Kinder, ist diese Nachbarschaft ab Juli Realität.

Im Land gibt es Mangel an Klinikplätzen für Triebtäter. Und irgendwo müssen sie ja hin. Doch unter den Anwohnern geht eine gefühlte Angst um.„Seit 1955 wohne ich hier. Aber mit dieser Nachbarschaft komme ich nicht klar“, sagt Rosemarie Porada (74) aus der Wasserturmsiedlung. Die Rentnerin hat die Umzugskartons schon gepackt. Diese Woche zieht sie zu ihren Schwestern nach Bielefeld.

Nur 100 Meter Luftlinie entfernt fügen Kräne die letzten Stücke zur sieben Meter hohen Betonmauer zusammen. Sie umschließt den neuen Psychoknast. Hinein kommen sollen in Köln Verurteilte, die wegen psychischer Erkrankungen straffällig geworden sind.

Der Belegungsplan klingt nicht gerade anheimelnd: 3,8 Prozent Mörder, 9,8 Prozent Totschläger, 4,8 Prozent Kinderschänder, 5,3 Prozent sonstige Sexualstraftäter. Dazu kommen: Brandstiftung 10,5 Prozent, Körperverletzung 21,3 Prozent, Diebstahl 13,8 Prozent, Raub/Erpressung 19,3 Prozent, Betrug 2 Prozent.

Die Straftäter sollen „wohnortnah“ untergebracht sein, psychiatrische Therapie, Medikamente bekommen. „Das Ziel ist es, die Patienten schrittweise wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Im Schnitt werden sie sechs bis sieben Jahre dort verbringen“, erklärt Uwe Dönisch-Seidel, Landesbeauftragter für den Maßregelvollzug. Je nach Erfolg der Maßnahmen dürften die Straftäter in Begleitung von Beamten ins Freie.

„Das ist der Horror“, sagt Familienvater Ibrahim Ciftci (43). Mit Frau und zwei Kindern zieht er nach Vingst um. „Ich kann hier meinen 16-Jährigen Sohn nicht allein zur Bahn gehen lassen.“„Die Klinik genügt höchsten Sicherheitsansprüchen“, beruhigt Dönisch-Seidel.

Kein gefährlicher Straftäter werde jemals die Forensik verlassen können. Doch das Unbehagen in der Nachbarschaft mindert dies freilich wenig. „Ich überlege mir eine Gaspistole zuzulegen“, sagt Rentnerin Agnes Mielke (68). Wenn sie zur KVB will, muss sie an der langen Mauer mit dem Eingangsbereich entlang. „Das ist mir im Dunkeln sonst zu unheimlich.“

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