Wer hat die Macht in Köln, wer den größten Einfluss, wer das größte Netzwerk? Zehn namhafte Kandidaten standen bei der großen EXPRESS-Aktion zur Wahl, die Prominenten kamen aus den Bereichen Kirche und Karneval, Politik und Sport, Wirtschaft und Gesellschaft.
Dabei machte ein Marathon-Läufer auch hier das Rennen: Oberbürgermeister Jürgen Roters (62, SPD) konnte insgesamt 41 % aller Stimmen auf sich vereinen und damit mehr als doppelt so viele Kreuzchen holen wie Joachim Kardinal Meisner – was Roters selbst erstaunte.
Auffällig: Bei den unter 30-Jährigen holte der OB sogar 44 %, auf Platz 2 landete FC-Präsident Wolfgang Overath mit 25 %. Weit abgeschlagen platzierten sich Regierungspräsidentin Gisela Walsken, Gaffel-Chef Heinrich Becker und Stefan Löcher, Geschäftsführer der Lanxess-Arena.
Er war Polizeipräsident, Regierungspräsident, jetzt ist er Oberbürgermeister. EXPRESS sprach mit Jürgen Roters über Macht, Mächtige und Machtlosigkeit.
Platz 1 – für Sie überraschend?
Roters: „Ja. Ich weiß ja, welche Bedeutung und Wirkung die katholische Kirche in Köln hat. Und wenn man da einen Kardinal, der direkten Zugang zum Papst hat, deutlich hinter sich lässt, ist das etwas Besonderes.“
Drängt es Sie an die Macht?
„Mir geht es nicht darum, eine Führungsaufgabe zu haben, um Macht auszuüben. Mir macht es Freude, zu bewegen, zu gestalten. Die Stadt voranzubringen. Etwa das Votum für den Godorfer Hafen, jetzt der Weg für die Archäologische Zone. Das ist für mich wichtig. Nicht die Macht an sich.“
Was ist Ihr Geheimnis?
„Ich bin nicht der Typ, der mit geschwellter Brust durch die Gegend läuft. Mein Geheimnis ist: Menschen, die gute Ideen haben, die etwas können, um mich zu sammeln. Um mit ihnen gemeinsam etwas zu bewegen. Mir geht es darum, Menschen für ein Ziel zu gewinnen.“
Konkretes Beispiel?
„Wir werden in wenigen Tagen die neue Skateranlage am Rheinufer einweihen. Die ist gemeinsam mit den Skatern realisiert worden. Dann wird das Skaten auf dem Roncalliplatz in überschaubarer Zeit nicht mehr möglich sein. Da muss man dann auch Macht einsetzen. Das Ordnungsamt wird dort durchgreifen.“
Wo endet in Köln Ihre Macht?
„Wenn Dinge kompliziert geregelt sind, ist es schwer, in Schwung zu kommen. Etwa bei der Sauberkeit in der Stadt. Da kommen so viele Dinge zusammen: Die Bürger müssen mitspielen, die AWB, die Grünflächenämter, die Polizei und Ordnungsbehörden. Die alle auf eine Linie zu bringen dauert.“
Wo wären Sie heute, wenn Sie die OB-Wahl verloren hätten?
„Möglicherweise würde ich jetzt gerade in der Toskana wandern. Oder (lacht) vielleicht in Rio am Strand liegen...“
Die EXPRESS-Leser stimmten online oder per Fax fleißig ab, hier die Liste der „Top Zehn“ der einflussreichsten und mächtigsten Bürger Kölns.
| 1. OB Roters | 41% |
| 2. Kardinal Meisner | 18% |
| 3. Wolfgang Overath | 13% |
| 4. Markus Ritterbach | 12% |
| 5. P.Bauwens-Adenauer | 5% |
| 6. B.Schock-Werner | 4% |
| 7. Hanns Schaefer | 3% |
| 8. RP Gisela Walsken | 2% |
| 9. Heinrich Becker | 1% |
| 10. Stefan Löcher | 0,7% |
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