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Der dritte Mann: Anschlag Probsteigasse: Läuft ein NSU-Killer frei herum?

Mit diesem Fahndungsfoto suchte die Polizei damals nach dem feigen Attentäter. Der Mann sieht den später als Täter ausgemachten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nicht ähnlich.

Mit diesem Fahndungsfoto suchte die Polizei damals nach dem feigen Attentäter. Der Mann sieht den später als Täter ausgemachten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nicht ähnlich.

Foto:

Polizei

Köln/München -

Das Nazi-Trio um Uwe Mundlos, Uwe Bönhardt und Beate Zschäpe hatte womöglich einen unbekannten Komplizen in Köln! Das kam im laufenden NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München raus.

Demnach hat im Dezember 2000 ein dritter Mann den Sprengsatz im Büdchen in der Probsteigasse deponiert – versteckt in einer Christstollendose.

Der Attentäter hatte sich als Kunde ausgegeben. Er gab vor, sein Portemonnaie vergessen zu haben, verließ daher den Laden wieder. Zurück ließ er einen Korb mit der Bombe.

Wochen später ging der Sprengsatz hoch, als die damals 19-jährige Tochter des Inhabers, Mashia M., besagte Stollendose öffnete. Sie wurde bei der Explosion schwer verletzt, bis heute entstellen sie viele Brandnarben.

Der Vater des Opfers hatte den Täter im Laden gesehen. Seine Beschreibung passt nicht auf Mundlos oder Böhnhardt.

Im Prozess beschrieb der aus dem Iran stammende Ladenbesitzer den Attentäter als schmächtig, mit längeren lockigen oder welligen Haaren bis über die Ohren. Das Gesicht sei schmal und knochig gewesen.

„Er hat die beiden Uwes eindeutig eher ausgeschlossen“, sagt die Kölner Nebenklage-Anwältin Edith Lunnebach. Das bereits 2001 erstellte Phantombild bekräftigt diese These.

Für den Bundesanwalt ist klar: Die Bomben-Anschläge, auch der in der Keupstraße, und die vielen Morde, gehen allein auf das Konto von Böhnhardt und Mundlos.

Als EXPRESS das Landeskriminalamt fragte, ob nach den neuen Erkenntnissen weiter gefahndet werden soll, winkte eine Sprecherin ab: „Der Fall ist doch erledigt.“ Das Phantomfoto sei aus der LKA-Datei bereits gelöscht.

Der ehemalige Obmann des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Hartfrid Wolff (FDP), sieht hier enorme Lücken bei den Ermittlungen der Behörden. „Das Umfeld des NSU wurde nicht ausreichend geklärt“, sagt der Politiker. Diverse Zeugenaussagen hätten ergeben, dass noch viel mehr Täter in Betracht kämen.

Der iranische Ladenbesitzer aus der Probsteigasse lebt in Sorge. „Er fühlt sich beobachtet“, so Anwältin Lunnebach. Weil er weiß, dass der NSU-Komplize von Mundlos und Böhnhardt vielleicht noch immer frei herumläuft. Wer ist dieser dritte Mann? Eine Frage, auf die es womöglich nie eine Antwort geben wird.