Empfehlen | Drucken | Kontakt16.04.2010 - 12:15 Uhr

Niedecken blickt zurück: Darum nannte ich BAP nach meinem Vater

Von CHRISTOF ERNST
Wolfgang Niedecken nannte seine Band nach seinem Vater Joseph. Denn in Unkel, wo er geboren wurde, heißt ein Vater „BAP“.
Wolfgang Niedecken nannte seine Band nach seinem Vater Joseph. Denn in Unkel, wo er geboren wurde, heißt ein Vater „BAP“.
Bonn/Köln –  

Die Reaktion war gewaltig! Nachdem Wolfgang Niedecken am Mittwoch im EXPRESS gesagt hatte: „Auch ich wurde missbraucht“, meldeten sich TV-Sender, Zeitungen und Hörfunkstationen beim BAP-Chef. Der rief am Donnerstag noch einmal bei uns in der Redaktion an.

„Es gab viele meiner Mitschüler“, sagt Niedecken, „die damals noch mehr leiden mussten als ich. Einige sind daran zerbrochen.“ Damals, 1964, besuchte Niedecken das Konvikt St. Albert in Rheinbach und wurde wie seine Mitschüler von einem Pater gequält. Im Rückblick sagt er: „Der Psychoterror war viel schlimmer als die sexuellen Übergriffe. Wir wurden zum Beispiel in den Wald geschickt, um die Stöcke zu schneiden, mit denen wir dann später von dem Pater verprügelt wurden.“

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Die Jungen, gerade mal 13 Jahre alt, fühlten sich dem Pallottiner-Mönch hilflos ausgeliefert. Es waren die sadistischen Taten eines Einzelnen, die anderen Patres seien einfühlsam und engagiert mit den Schülern umgegangen. Keiner der jungen Menschen wagte gegen den Prügel-Pater aufzubegehren, keiner traute sich, davon zu Hause zu erzählen.

Der BAP-Chef zum EXPRESS: „Das Perverse war, wir mussten bei diesem Typen auch noch beichten. Denn wir waren ja gläubig und dachten, wenn wir nicht alles beichten, kommen wir in die Hölle.“

Das Beste an der miesen Geschichte: Nachdem Niedeckens Vater Joseph von den Quälereien erfahren hatte, handelte er: Beim Leiter des Konvikts erreichte er die Versetzung des Paters, der heute in einem Altenheim im Ruhrgebiet lebt.

Damals war das Verhältnis von Vater und Sohn völlig in Ordnung. Niedecken: „Das hat sich gegen Ende der 60er Jahre geändert, als ich, wie viele andere auch, gegen meinen konserativen Vater rebelliert habe.“ Konsequenz: vorläufige Funkstille. In den 70er Jahren wurde der Kontakt wieder besser. „Aber“, sagt der BAP-Chef, „bis zu seinem Tod 1980 haben wir uns nie so ausgeprochen, wie es sein sollte.“

Dennoch wartete Niedecken den Tod des Vaters ab, ehe er aus der Kirche austrat. Und er setzte Joseph Niedecken, der aus Unkel kommt, das größte nur mögliche Denkmal: Er nannte seine Band so, wie im Siebengebirge ein Vater genannt wird: BAP.

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