Gehen wir in die Kneipe oder in die Disko? Am Ende entscheidet sich der Kölner am liebsten für das Brauhaus. Hier fühlt man sich wohl, hier ist man zu Hause. Hier ändert sich wenig. Es ist ein bisschen Wohnzimmer. Hier sitzt man mit guten Freunden und trinkt ein Kölsch. Oder zwei.
Von den Kölner Brauhäusern haben die EXPRESS-Leser das Päffgen in der Friesenstraße klar auf den ersten Platz gewählt (siehe Tabelle).
Mit deutlichem Abstand folgen das Früh am Dom und die Malzmühle. Die Frage nach dem urigsten Brauhaus hat viele interessiert: Insgesamt 11 151 Leser haben sich beteiligt.
Interessant: Bei den Frauen hat sich die Mehrheit (25%) für das Früh entschieden, es folgen das Päffgen Friesenstraße (20,5%) und die Malzmühle (17,5%).
Auch in der Altergruppe bis 29 Jahre liegt das Früh am Dom vorn(30,9%), vor dem Päffgen (20,2%) und dem Gaffel am Dom (14,1%).
In der Luft liegt ein aufregendes Gemisch aus Hausmannsküche und Hopfen. Das Parkett im großen Saal ächzt bei jedem Schritt.
Vorne am Fenster haben es sich zwei Anzugträger gemütlich gemacht und genießen ihr Feierabendbier. Ein ganz normales kölsches Brauhaus, möchte man denken. Stimmt nicht.
Mitarbeiterin Eva Schmeisser setzt sich auf dem „Beichtstuhl“ direkt am Eingang und nimmt den Telefonhörer in die Hand. „Brauhaus Päffgen, was kann ich für Sie tun?“
Freundlich wird die Reservierung aufgenommen, ehe der Hörer auf die Gabel gelegt wird. Die Gabel? Leben die hier immer noch nicht schnurlos?
„Das Telefon ist bestimmt schon 60 Jahre alt. Aber es funktioniert. So sind wir eben“, sagt die Assistentin von Inhaber Rudolf Päffgen. Wenn der Chef in Urlaub ist, kümmert sie sich hier um alles.
„Dass wir beim EXPRESS gewonnen haben, ist fantastisch. Vielleicht schätzen die Leute unsere Bodenständigkeit.“ Ihr „Beichtstuhl“ gehört zum festen Inventar, denn an Eva Schmeisser kommt keiner vorbei, ehe der Deckel bezahlt wurde.
Zwar steht das Päffgen in ständiger Konkurrenz zu anderen Brauhäusern, aber hier in der Friesenstraße hat man sich den Charme von einst erhalten.
„Wir verzichten auf den ganzen Schnickschnack, haben keine Cola auf der Karte. Kölsch, Wasser, Apfelsaft - fertig.“
An den Wänden hängen alte große Bilder mit Köln-Bezug, die Holztische haben mal bessere Zeiten erlebt. „Bei uns findet man auch keine rot-weiße Deko. Wir haben Kölsch und das ist Dekoration genug.“
Das Einfache als Betriebsgeheimnis. Schmeisser: „Auch wenn wir einen Artikel des Grundgesetzes außer Kraft setzen: Bei uns bliev et so, wie et wor.“
Dazu gehört, dass man auf das Bier schon mal warten muss. Schließlich zapft der Köbes selbst. Betriebs-Motto: Schlagfertig, flott und immer bemüht.
Und weil das Päffgen trotz der Konkurrenz erfolgreich arbeitet, wird sich hier so schnell auch nichts ändern.
„Warum? Hier kommen ja nicht nur Ältere vorbei, sondern auch Familien. Hier trifft sich eben jeder.“
Aber nicht an der Theke: „Wir haben keine Theke. So etwas gibt es in traditionellen Brauhäusern gar nicht.“
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