Empfehlen | Drucken | Kontakt31.03.2008 - 00:00 Uhr

Vögel vergast: Böse Vorwürfe gegen Tierhändler

Von STEPHANIE KAYSER
Vermeintlich kranke Wellen- und Nymphensittiche sollen im Lindweiler Laden illegal abgetötet worden sein.
Vermeintlich kranke Wellen- und Nymphensittiche sollen im Lindweiler Laden illegal abgetötet worden sein.
Foto: ddp

Köln - Ihr Tod: grausam. In einen Plastikeimer mit Deckel gesperrt sollen insgesamt 93 Wellensittiche, Agaponiden und Nymphensittiche vergast worden sein.

Mit CO2-Gas aus der Aquaristik-Abteilung. Weil die Vögel vermeintlich mit der meldepflichtigen Papageienkrankheit infiziert waren.

Die Gewinnspannen im Tierhandel sind gering. Im Einkauf kostet ein Wellensittich 7 Euro, für 20 wird er weiterverkauft. Der ungeheuerliche Vorwurf: Weil die medizinische Behandlung oder das Einschläfern der erkrankten Vögel durch einen Tierarzt zu teuer war, soll „Fressnapf“-Chef Achim Jannes seine Mitarbeiter angewiesen haben, die Tiere zu entsorgen.

Dies geschah auf qualvolle Weise. Die Vögel sollen eingepfercht in den Eimer panisch geflattert, sich gegenseitig gehackt haben. Bis das Gas wirkte. Insgesamt sollen so 90 Wellensittiche (aus den Verkaufsvolieren und Quarantäne-Bereich) und insgesamt 23 Nympensittiche und Agaponiden gestorben sein.

Damit die Massentötung nicht auffiel, sollen im sogenannten „Abgabebuch“ (hier müssen die Käufer mit Adresse eingetragen werden) zum größten Teil erfundene Namen mit fingierten Adressen eingetragen worden sein (Eidesstattliche Erklärung liegt EXPRESS vor.)

Das alles soll bereits im November 2007 passiert sein. Eine anonyme Anzeige beim Veterinäramt - die Vogelvolieren im Laden waren zeitweise leer - blieb bislang ohne Erfolg.

Dr. Peter Schmidt, zuständig für Tierseuchen beim Kölner Veterinäramt war vor Ort: „Mir fiel damals nichts auf. Als ich dort war, waren Vögel da. Ohne exakte Hinweise ist die Recherche schwierig. Es gab da schon mal einen Fall von Psittakose. Da sind die Tiere ordnungsgemäß behandelt worden.“ Das hatte seinen Preis - gerechnet werden etwa 10 Euro pro Tier, so Schmidt. Das Veterinäramt ermittelt jetzt.

Der Tierhändler streitet alle Vorwürfe ab. „Das stimmt doch alles nicht. Es gibt immer Menschen, die einem etwas Böses wollen“, sagt Fressnapf-Leiter Jannes.

Die Sittich-Vergasung - übrigens nicht der einzige Vorwurf. In dem Tierladen sollen auch illegale Mäuse- und Rattenfallen aufgestellt worden sein, was Jannes bestreitet. Hier bleiben die Tiere am Leim kleben und verenden elend…

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