Köln - Es ist ein schwerer Gang. Ein Gang zurück in die schlimmste Zeit ihres Lebens:
Gefangen und gefoltert von der Gestapo, der Geheimen Staatspolizei der Nazis. Für EXPRESS kehrt Gertrud Koch (84) in „ihre“ Zelle zurück.
Als 16-Jährige schloss sich Gertrud Koch 1940 unter dem Tarnnamen „Mucki“ der Widerstandsgruppe „Edelweißpiraten“ an. Die spektakulärste Aktion war 1942 der „Flugblattregen“ aus der Kuppel des Hauptbahnhofs.
Sie wurde verhaftet und ins Gestapogefängnis im EL-DE-Haus (Appellhofplatz) gesteckt - seit 1988 das NS-Dokumentationszentrum.
„Sie haben mir den Arm gebrochen. Dann steckten sie mich in eine schmale Zelle“, sagt Koch. Es folgten brutale Verhöre. „Immer wieder bekam ich Schläge gegen den Kopf und ins Gesicht“, erinnert sich die Widerstandskämpferin.
Gertrud Koch lässt sich die Zelle aufschließen, in der sie vor mehr als 65 Jahren schlimmste Qualen erleiden musste. Tränen laufen über ihr Gesicht. „Das verfolgt mich bis ans Ende meines Lebens.“ Viele ihrer Freunde wurden hingerichtet - ohne jeden Prozess.
Die „Gedenkstätte Gestapogefängnis“ im NS-Dok wurde in den letzten Monaten aufwändig restauriert. „Wir haben mehr als 1800 Wandinschriften und -zeichnungen von Häftlingen freigelegt und dokumentiert“, sagt Museumschef Dr. Werner Jung.
Auch der bisher geschlossene Trakt der Gestapogefängnis-Wächter ist jetzt zugänglich. Der damalige „Aufenthaltsraum“ ist ein Gedenkraum, in dem die Namen von 400 Häftlingen an die Wand projiziert werden, die im Innenhof der Gestapo-Zentrale hingerichtet worden waren.
Die Dauerausstellung im NS-Dok wurde ebenfalls überarbeitet - auf zwei Etagen wird über die perfide Arbeit der Kölner Gestapobeamten und über den Widerstand der Edelweißpiraten und anderer Gruppen informiert. „Das NS-Dokumentationszentrum ist in Europa einzigartig“, sagt Jung. „Soviel Material gibt es nirgends.“
Auch Dank Gertrud Koch: „So lange ich kann, werde ich Zeugnis ablegen, damit sowas nie wieder passiert.“
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