Köln - Bis zu 160 Mio € soll die Kölner REWE-Gruppe durch die Insolvenz des Geldtransport-Unternehmens Heros verloren haben. Die Staatsanwaltschaft hat den Verdacht, dass ein REWE-Mitarbeiter bestechlich war.
Am Mittwochmorgen in der Domstraße 20: Ein VW Passat, beladen mit Aktenkartons, fährt vor der REWE-Zentrale vor. Ein Ermittler steigt aus, präsentiert am Empfang einen Durchsuchungsbeschluss der Staatsanwaltschaft Hannover. Razzia! „Es geht um den Verdacht der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr“, so Oberstaatsanwalt Jürgen Lendeckel (57).
Seine Korruptionsabteilung versucht aufzudecken, ob es bei den Heros-Kunden Spitzel gab, die die Machenschaften von Heros duldeten. „Möglicherweise hat bei REWE jemand beide Augen zugedrückt.“
Deshalb suchten die Ermittler am Mittwoch in der Zentrale Buchungsbelege, Überweisungsträger und andere Beweismittel. „Wir unterstützen die Arbeit der Staatsanwaltschaft Hannover“, so der lapidare Kommentar von REWE-Sprecher Andreas Krämer (39).
Heros bezahlte aus Kundengeldern Löhne und Gehälter, zweigte immer mehr Kundengelder ab, bis das Schneeballsystem zusammenbrach. Die Heros-Manager sind längst verurteilt. Und Kunden wie REWE, die Heros ihre Gelder anvertrauten, bleiben möglicherweise auf dem Schaden sitzen.
„Wir haben den Verdacht, dass es Manipulationen gegeben hat“, so Lendeckel. Er ermittelt gegen Bertold B. (61), den ehemaligen Leiter der REWE-Niederlassung Nord. Der soll in „erstaunlicher Häufung“ Geschenke von Heros angenommen haben. Mal eine Übernachtung im Interconti-Hotel, mal ein Handy, mal ein Fresskorb, mal ein Rosenthal-Service.
„Wir können nicht ausschließen, dass der Beschuldigte im Gegenzug über die eine oder andere Sache hinweggesehen hat.“ Auch bei anderen Heros-Kunden in Deutschland gab es zeitgleiche Durchsuchungen.
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