Kerpen - Beißender Leichengeruch dringt aus einer Dachgeschosswohnung im Kerpener Stadtteil Sindorf.
Hartwig S. (44) hat seinen Lebenspartner Frank L. (28) erstochen. Und noch fünf Wochen neben der Leiche gelebt.
Ein 7-Parteien-Haus mit roten Klinkern in der Breite Straße in Sindorf. Eine beliebte, gutbürgerliche Wohngegend, der Bahnhof ist nicht weit. Offenbar hat sich hinter den Türen des Hauses Nr. 43 bereits vor mehr als einem Monat ein Drama abgespielt. Knapp fünf Wochen soll Frank L. tot in seiner Wohnung gelegen haben.
Am Gründonnerstag kam sein Lebensgefährte Hartwig S. (44) um 11 Uhr auf die Polizeiwache in Kerpen. „Ich will eine Selbstanzeige machen“, sagte er. Bereits am 5. März, so der Kerpener, habe er den lebenslustigen Frank (28) in der gemeinsamen Wohnung getötet.
Motiv: möglicherweise Eifersucht. Nach Angaben von Nachbarn waren die beiden schon seit vielen Jahren ein Paar, zeigten ihre Zuneigung auch offen auf der Straße. Trotzdem hat in den letzten Wochen niemand gemerkt, dass Frank nicht mehr da war.
Die beiden teilten sich eine Wohnung unter dem Dach, im 2. Stock des Mehrfamilienhauses. Die ist jetzt versiegelt. Auch den Verwesungsgeruch, der durch das Treppenhaus zog, wollen die Nachbarn nicht bemerkt haben.
Eine Bekannte berichtet außerdem von heftigen Streitigkeiten zwischen dem schwulen Pärchen: „Das musste irgendwann eskalieren“, sagt sie. Auf offener Straße hätte Hartwig einst seinem jüngeren Freund eine Ohrfeige verpasst.
Hartwig S., ein ehemaliger Zeitsoldat, wurde nach seinem Geständnis auf der Polizeiwache festgenommen. Inzwischen wurde Haftbefehl erlassen. Rechtsanwalt Reinhard Birkenstock verteidigt den Täter: „Wir haben es hier mit einem Beziehungsdrama zu tun“, so der Verteidiger zum EXPRESS.Die Leiche von Frank L. befindet sich derzeit zur Obduktion in der Kölner Gerichtsmedizin.
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