Seit Ende November herrscht auf der Leverkusener Autobahnbrücke ein striktes Verbot für schwere Lkw. Eigentlich.
Denn es donnern trotzdem täglich rund 2800 Brummis über 3,5 Tonnen über das marode Bauwerk. Das sind zwar rund 17.000 weniger als vor der Sperrung, aber immer noch zu viele für die alten Trägerbalken.
Die Fahrer sind genervt über die Umwege, die Spediteure sauer über die Komplikationen und steigende Kosten. „Wir arbeiten mit den Ford-Werken zusammen. Von Leverkusen nach Niehl müssen wir einen Umweg von fast 40 Kilometern fahren. Wir zahlen so viel Maut. Ich verstehe nicht, warum unsere Brücken dann nicht in Ordnung sind“, ist beispielsweise Spediteur Karl Josef Stellzmann wütend.
Besonders ärgern die Transportunternehmer die zusätzlichen Kosten. So müssen die Miet-Fahrer der „HSM Speditionsgesellschaft“ mehrfach die Woche von Frechen nach Paris fahren. Aufgrund der Umwege kommen sie später am Ziel an, müssen dort warten. Geschäftsführer Christian Ortu (54) erklärt, dass er mitunter 700 Euro für einen weiteren Tag investieren muss. „Das summiert sich. Wer kommt für diese Kosten auf? Wer ersetzt mir das?“ Fragen, die ihm niemand beantwortet.
Die Polizei ist im Dauereinsatz auf der Jagd nach gewichtigen Verkehrssündern. Per Radarmessanlage, im Streifenwagen oder auch im Videoüberwachungsauto. EXPRESS hat ein Einsatzteam im zivilen Videowagen begleitet.
Es dauert nur wenige Minuten, bis der erste Brummi-Pilot erwischt ist. Dariusz S. sagt, das Navi habe ihm den Weg gezeigt. „Viele reden sich mit dem Navi raus, behaupten, nur die Anweisungen befolgt zu haben. Das zieht bei uns nicht. Es stehen zahlreiche Schilder in beiden Fahrtrichtungen. Und nach denen haben sich die Fahrer zu richten“, stellt Polizeikommissar Carsten Gülisch (37) klar.
Teilweise sind die Ausreden sehr kreativ: „Auf dem Schild ist ein Pkw abgebildet. Also dürfen keine Autos über die Brücke, die schwerer sind als 3,5 Tonnen. Ich bin aber kein Auto, ich bin ein Lkw“, erklärte ein Sünder den staunenden Beamten.
Viele Ertappte sind ehrlich: „Mein Chef sagt, dass ich trotzdem über die Brücke fahren soll. Er nimmt die 20 Euro Bußgeld in Kauf“, so ein Kraftfahrer. Ein anderer bemängelt die schlechte Umleitung: „Ich habe die Anweisung, die Brücke zu meiden. Aber nachdem ich durch halb Leverkusen geirrt bin und dreimal beim gleichen Kreisverkehr rauskam, bin ich doch verzweifelt rübergefahren.“ Zahlen muss er trotzdem.
Polizeioberkommissar Peter Paas (54) kann die Brummifahrer teilweise verstehen. „Klar ist es ärgerlich, wenn sie Umwege in Kauf nehmen müssen, zumal keine explizite Umleitung für Laster ausgeschildert ist. Aber die Sicherheit geht vor. Und die Spediteure wissen das alle. Die meisten halten sich ja auch an das Verbot.“ Aber nicht alle...
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