Empfehlen | Drucken | Kontakt19.01.2012 - 14:57 Uhr

165 Euro Zuschuss für jedes Ticket: Oper und Schauspiel: Das kostet ein Besuch

Von ROBERT BAUMANNS und CHRIS MERTING
 Astrid Weber in „Die Meistersinger von Nürnberg“ – die opulente Inszenierung von Intendant Uwe Eric Laufenberg steht ab 1. April auf dem Opern-Spielplan.
Astrid Weber in „Die Meistersinger von Nürnberg“ – die opulente Inszenierung von Intendant Uwe Eric Laufenberg steht ab 1. April auf dem Opern-Spielplan.
Foto: Karl Forster
Köln –  

Es ist ein Wahnsinn – zumindest rein wirtschaftlich. „Hochkultur“ ist in Köln ein gigantisches Verlustgeschäft. Jeder Besucher von Oper und Schauspiel wird inzwischen mit satten 165 Euro aus der Stadtkasse bezuschusst.

Ein Ticket für einen Opernabend kostet zwischen 10 und 90 Euro. Ohne die rund 50 Millionen Euro Zuschuss an die Bühnen wären eigentlich 175 bis 255 Euro fällig. Und so subventionieren alle Kölner den Kulturgenuss einiger weniger Opernfans, von denen viele nicht mal aus Köln kommen.

Dies sorgt regelmäßig für Ärger, etwa beim Bürgerhaushalt. Dort wurde heftig kritisiert, dass in der Kölner Oper die teuerste Karte 90 Euro kostet. Im Vergleich zu anderen Kulturmetropolen wie etwa Wien (250 Euro) sind das Aldi-Tarife.

Der Rat hat vor Jahren beschlossen, dass die Besucher stärker an den Kosten der Bühnen beteiligt werden sollen. Der Geschäftsführende Direktor Patrick Wasserbauer: „Sobald die Bühnen saniert sind, wird dieser Auftrag bei der Preisgestaltung eingearbeitet.“ Die Tickets werden also teurer.

Von den großen Städten hat Köln die niedrigsten Preise, buttert aber mit am meisten zu. Spitzenreiter ist Berlin, wo die Karten an der Staatsoper 14 bis 220 Euro kosten, aber mit 248 Euro pro Ticket bezuschusst werden.

An der Hamburgischen Staatsoper kostet ein Platz 9 bis 158 Euro, Zuschuss: 114 Euro. In München sind für die Staatsoper zwischen 5 und 195 Euro zu berappen, Zuschuss hier: 90,01 Euro.

Das müssten wir eigentlich zahlen

Ohne die Millionen-Zuschüsse wären laut KVB-Chef Jürgen Fenske die Tickets doppelt so teuer. Heißt: Eine Stadtfahrt würde dann 5,20 statt 2,60 € kosten.

Hier noch weitere Beispiele: Schwimmbäder: Im Schnitt liegt der Eintritt bei 4 €, er müsste bei 10 € liegen.

Zoo: Erwachsene zahlen 15 €, Kinder 7,50 €, privat geführte Zoos verlangen zwischen 18 und 22 €.

Das Römisch-Germanische Museum müsste 26 statt 7 € verlangen, das Museum für Angewandte Kunst sogar 78 statt 5 €.

Ein Platz im Kindergarten kostet im Schnitt 93 € im Monat. Kostendeckungsgrad: 11,5 Prozent. Heißt: „Kostendeckend“ müssten für ein Kind 808,70 € kassiert werden.

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