Köln - Früher prügelten sich die Unterwelt-Könige Schäfers Nas und Dummse Tünn mit Fäusten um die Herrschaft im Milieu. Jeder Kölner kannte sie.
Wer wissen will, wie es heute auf den Ringen zugeht, sollte diese Reportage lesen. Denn jetzt ist es der 26-jährige Ercan S., der sagt: „Ich bin der Pate von Köln. Mir gehört die Stadt.“
Der Kampf um die Macht - er ist brutal und nicht immer so öffentlich wie vergangene Woche. Denn da riegelten 90 Mann die Neusser Straße einfach mal ab, um eine Sache zu klären. „An dem Abend wäre es fast zu einem Bandenkrieg gekommen“, erzählt Ercan S. dem EXPRESS.
„Ich bekam einen Anruf, dass zwei Araber mit 30 Mann ein Restaurant auf dem Hohenzollernring übernehmen wollten. Sie forderten Schutzgeld.“
Ercan S. rief rund - und 10 Minuten später waren 80 seiner Männer, Türken und Deutsche, auf dem Ring. „Die Araber waren geflohen, wir verfolgten sie bis zur Neusser Straße. Dort sperrten meine Leute kurzerhand die Straße. Die Araber hatten zwar Pistolen, aber meine Männer Maschinenpistolen.“
Es folgte ein kurzes Handgemenge, eine kurze „Aussprache“, dann fielen zwei Schüsse. Von der Polizei war weit und breit nichts zu sehen. „Die Araber gaben schnell auf. Sie haben Köln-Verbot bekommen. Halten sie sich nicht dran, sind 100.000 Euro fällig“, erklärt der Pate wie selbstverständlich.
Der gebürtige Dormagener hat die Spielregeln der Halbwelt verinnerlicht. Mit 13 geriet er ins Milieu, mit 15 nahm er sich mit Gewalt den Bonner Straßenstrich, dann Clubs im gesamten Rhein-Sieg-Kreis.
Sieben Monate U-Haft wegen diverser Straftaten, zuletzt Ermittlungen wegen eines versuchten Zuhälter-Mordes - Ercan S. ist den Beamten der Abteilung Organisierte Kriminalität bestens bekannt.
„Ich werde ständig mit meinem Audi Q7 angehalten und kontrolliert, mein Handy abgehört. Aber damit muss ich leben. Die können mir nichts. Und wer mir im Weg ist, den mache ich platt“, sagt er ohne Emotionen.
Bei der Kripo heißt Ercan S., der sich gerade mit seiner Freundin eine 840.000-Euro-Villa in Berlin-Charlottenburg einrichtet, nur „Euro-Pate“. Denn längst regiert er in vielen europäischen Großstädten. Mit seinen Clubs, Restaurants und Schutzgeld verdient er inzwischen zig Millionen.
Rührend seine sichtweise der Herrschaft: „Seit ich an der Macht bin, ist im Milieu Ruhe. Denn keiner wagt es, sich mit mir ernsthaft anzulegen.“ So ganz glaubt er wohl nicht daran. Denn acht Bodyguards bewachen ihn rund um die Uhr.
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