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„Bonotel“ wird zum Flüchtlingsheim: Wegen der Stadt verlieren wir alle unseren Job

Frühstücksdame Heidi Labrenz (52) bereitet seit vier Jahren das Büfett im Bonotel. Ende des Jahres steht sie mit 31 weiteren Kollegen auf der Straße.

Frühstücksdame Heidi Labrenz (52) bereitet seit vier Jahren das Büfett im Bonotel. Ende des Jahres steht sie mit 31 weiteren Kollegen auf der Straße.

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Alexander Schwaiger

Köln -

Geschäftsführer Andreas Degen (38) steht fassungslos in der Lobby seines Hotels. Ein Vier-Sterne-Haus, 93 Zimmer, Restaurant und Wellness-Bereich. Ein gut laufender Traditionsbetrieb in Marienburg, vor 30 Jahren eröffnet.

Doch das „Bonotel“ ist bald dicht – die Stadt hat das Gebäude gekauft, will es in ein Flüchtlingsheim umwandeln. Ende des Jahres stehen 32 Mitarbeiter auf der Straße.

Es wirke wie eine „feindliche Übernahme“, sagt Hotelier Degen dem EXPRESS.

Nach dem Tod der Grundstücks-Gesellschafter stand das Hotel unter Zwangsverwaltung, bei einer Versteigerung vorm Amtsgericht griff die Stadt für 5,8 Millionen Euro zu. Danach offenbarten die Beamten ihre Pläne für das 4000-qm-Gebäude.

„Es gab Mitbewerber für das Grundstück, die den Hotelbetrieb weiterführen wollten, die wurden aber überboten“, sagt Degen enttäuscht.

Sozialdezernentin Henriette Reker erklärte, die Stadt könne ein solches Immobilienangebot nicht ablehnen. Köln sei verpflichtet, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. In das Hotel, das umgebaut und noch 2015 eröffnet werden soll, passen bis zu 200 Bewohner.

Die Angestellten haben eine Kündigungsschutzklage eingereicht. Der Betrieb war eigentlich bis 2019 per Pachtvertrag gesichert, mit Option auf weitere fünf Jahre.

„Ich habe erst im April hier begonnen“, sagt Rezeptionist Jan Maus (39): „Es ist schwer, jeden Tag an der Rezeption zu stehen und zu lächeln, als sei nichts geschehen“.

Frühstücksdame Heidi Labrenz (52) fürchtet, in ihrem Alter keinen neuen Job mehr zu finden. „Gerade im Service ist das doch fast unmöglich“, seufzt sie. Der Kölner Hotel- und Gaststättenbetrieb kritisiert scharf, dass die Stadt Köln in einen laufenden Betrieb eingreift.

Anwalt Ralf Friedhofen vertritt beim Verfahren vorm Arbeitsgericht den Hotelier. Degen will seinen Mitarbeitern nicht kündigen, hat aber keine andere Wahl. Er ist selbst bald arbeitslos.

Der Anwalt will Oberbürgermeister Jürgen Roters als Zeugen laden. „Dann kann Herr Roters vielleicht erklären, warum die Stadt einen gut laufenden Betrieb einfach plattmacht“, sagt der Hotelier.