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Diskriminierung: Benachteiligt im Job – was Opfer tun können

Jede zweite Frau ist schon einmal am Arbeitsplatz sexuell belästigt worden.
Jede zweite Frau ist schon einmal am Arbeitsplatz sexuell belästigt worden.
Foto: dpa

Es geschieht wegen ihrer Religion oder ihrer Hautfarbe, wegen ihres Alters oder weil sie behindert sind: Täglich erleben Menschen Diskriminierung in der Arbeitswelt. Und nicht immer wehren sich die Opfer dagegen. Dabei können sie mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, ihr Recht einfordern. Wir sagen Betroffenen, an wen sie sich wenden sollten.

Benachteiligt bei Bewerbung

Wenn Jobanwärter von einem Unternehmen abgelehnt werden und sich diskriminiert fühlen, können sie keine Auskunft über den eingestellten Mitbewerber verlangen. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg 2012 entschieden. Der Arbeitgeber sei nicht dazu verpflichtet mitzuteilen, welche Einstellungskriterien für die Stelle entscheidend waren, so die Richter.

Die Entscheidung muss aber nicht von Nachteil für den Betroffenen sein. „Arbeitnehmer haben mit diesem Urteil sogar bessere Möglichkeiten, eine etwaige Diskriminierung nachzuweisen“, sagte Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS). Wenn ein Arbeitgeber nämlich eine Auskunft verweigere, könne dies im Einzelfall gegen ihn verwendet werden.

Religion darf keine Rolle spielen

Betroffen sind nicht nur Gläubige, sondern auch Menschen ohne Religionszugehörigkeit. Unter Umständen stellt dann eine Jobabsage eine Diskriminierung nach dem AGG dar - sogar wenn die Kirche der Arbeitgeber ist. Das hat zuletzt das Arbeitsgericht Aachen entschieden. In dem Fall hatte sich ein Mann als Pfleger bei einem katholischen Krankenhaus beworben. Aber die Klinik lehnte ihn ab, weil er nicht Kirchenmitglied war. Der Bewerber klagte auf Entschädigung - und bekam Recht.

Ebenfalls erfolgreich war 2012 eine junge Muslima mit ihrer Klage gegen das Kopftuchverbot: Sie hatte sich um eine Ausbildungsstelle als Zahnarzthelferin beworben und wurde nur wegen des Kopftuchs nicht eingestellt - Diskriminierung, urteilte das Arbeitsgericht Berlin.

Sexuell belästigt - keine Seltenheit

Obszöne Witze oder ungewollte Berührungen: Wie die aktuelle Debatte um FDP-Spitzenpolitiker Rainer Brüderle zeigt, ist Sexismus ein großes Problem im Alltag. Jede zweite Frau ist laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) schon einmal am Arbeitsplatz sexuell belästigt worden. Betroffene sollten die Vorfälle genau notieren, sich mit Kolleginnen zusammenschließen und Hilfe holen - entweder beim Arbeitgeber, Gleichstellungsbeauftragten oder bei einer Beratungsstelle. Das gilt auch für Lesben und Schwule, die Opfer von Diskriminierung werden.

Zu alt oder zu jung?

Ältere Beschäftigte werden aus den Unternehmen herausgedrängt, jüngere Bewerber bevorzugt eingestellt. Schon wenn in einer Stellenanzeige mit einem „jungen Team“ geworben wird oder nur „Young Professionals“ gefragt sind, verstößt dies gegen das Gesetz. Umgekehrt können auch Jüngere benachteiligt werden - zum Beispiel wenn sie weniger Urlaubstage erhalten als ältere Kollegen. Das entschied das Bundesarbeitsgericht.

„Altersdiskriminierung ist ein ernsthaftes Problem in unserer Gesellschaft“, sagte Christine Lüders vom ADS. Betroffene sollten dagegen vorgehen. Ansprechpartner sind die betriebliche Beschwerdestelle und der Betriebs- oder Personalrat.

Männer und Frauen

Laut der ILO-Studie aus dem Jahr 2011 gibt es trotz einiger Fortschritte noch immer deutliche Lohnunterschiede bei Männern und Frauen. Weltweit verdienen weibliche Arbeitnehmer nur rund 70 bis 90 Prozent des Einkommens der Männer. Auch die zunehmend eingeführten flexiblen Arbeitszeiten haben kaum etwas geändert.

Ethnische Herkunft

Anweisungen wie „Bitte stellen Sie keine Türkinnen mehr ein“ und Kündigungen wegen mangelnder Deutschkenntnisse: Menschen mit Migrationshintergrund fühlen sich im Beruf deutlich häufiger benachteiligt als andere. Das zeigt auch eine Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). In der Finanzkrise hat sich die Situation sogar noch verschärft: Viele bekommen wegen rassistischer Vorurteile keinen Job.

Behindert oder chronisch krank

Ständige Absagen, Büros ohne Aufzüge oder Behinderten-WC: „Vor allem im Arbeitsleben und im Bereich Bildung werden behinderte Menschen benachteiligt“, erläuterte der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe. Immerhin müssen öffentliche Arbeitgeber Bewerber mit Handicap zum Vorstellungsgespräch einladen - es sei denn, sie sind für die Stelle offensichtlich ungeeignet. So steht es im Sozialgesetzbuch.

Ab einer Betriebsgröße von 20 Arbeitsplätzen ist ein Unternehmen zur Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen auf mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze verpflichtet. Fragt ein privater oder öffentlicher Arbeitgeber im Gespräch nach einer Schwerbehinderung, dürfen Bewerber übrigens lügen.

So wehren Sie sich

Wer diskriminiert worden ist, wendet sich entweder an Personalverantwortliche im Betrieb oder eine Beratungsstelle wie die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Bei Gesetzesverstößen haben Opfer einen Anspruch auf Entschädigung und Schadensersatz. Über die Hotline 03018 555 1865 erklären Juristen der Antidiskriminierungsstelle, wie Betroffene ihre Rechte durchsetzen können. Allerdings müssen sie der Person, gegen die sich der Vorwurf richtet, innerhalb von zwei Monaten nach der Diskriminierung ihre Forderungen schriftlich mitteilen. (gs)

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