Ganz Deutschland feiert Lena. Ganz Deutschland? Nein. Es gibt einige wenige Menschen, die im Schmollwinkel der Republik sitzen und sich nicht über den ersten Grand-Prix-Triumph seit 1982 freuen - ausgerechnet die Sieger von damals gehören dazu.
Schlagersängerin Nicole (45), die im Alter von 17 Jahren den ersten deutschen Eurovisions-Sieg holte, tauchte ab. Ihr Ehemann, Winfried Seibert, beantwortete die Anfrage von der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag nicht und legte das Telefon kommentarlos auf. Bereits vor dem diesjährigen Finale hatte er erklärt, die im Saarland lebende Nicole gebe keine Interviews zum Grand Prix - nach dem Motto: „Ein bisschen Schmollen“ statt „Ein bisschen Frieden".
Ganz anders Ralph Siegel, Nicoles Erfolgskomponist und früherer „Mr. Grand Prix“ - der wetterte ordentlich gegen die Sendung „Unser Star für Oslo“ und ihren Macher Stefan Raab. „Die wollten Erfolg mit der Sendung und anschließend möglichst viele CDs verkaufen. Der Grand Prix ist denen komplett egal“, sagte er kurz vor dem Grand Prix am Freitag im „Süddeutsche Zeitung Magazin“.
„Es geht nur ums Geld (...) Dagegen habe ich immer angestunken. Ich will nicht nur Platten verkaufen, ich will gewinnen, weil es eine Ehre ist.“ Immerhin mag er die deutsche Siegerin - ein wenig. „Ach, wissen Sie, das Lied ist nett, das Mädchen süß, leider trifft sie selten den Ton. Dem Dilettantismus sind keine Grenzen mehr gesetzt.“
Große Chancen räumte er Lena nicht ein. „Vielleicht wählen ein paar Leute dieses süße Mädchen, das da auf der Bühne rumspringt. Ich würde es ihr wünschen, aber bei der Eurovision muss man etwas machen, was exorbitant gut ist.“
Wie alleine Siegel mit seiner Meinung steht, zeigen auch die Einschaltquoten. Im Schnitt verfolgten 14,69 Millionen Zuschauer den Grand-Prix. Nur Katja Epstein hatte mehr Zuschauer, bei ihrer Teilnahme 1980. Und dabei hatte Lena bärenstarke Konkurrenz: Aber weder Klitschko noch Nationalmannschaft konnten gegen Lena punkten.
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