Er war unser erster Held von London: Michael Jung holte bei den Olympischen Spielen zwei Medaillen, wurde im ganzen Land als goldener Reiter bejubelt. Als er seinen Helm absetzte, wunderten sich viele Zuschauer: Feierte Jung am Tag des Triumphes wirklich erst seinen 30. Geburtstag? Die extrem hohe Stirn lässt ihn um Jahre älter wirken – wie viele junge Männer leidet der Sportler an Haarausfall.
„Es lässt sich beobachten, dass Haarausfall bei jungen Männern generell zugenommen hat“, sagt Dr. David Bacman, der in Köln das „Medical Skin & Hair Center“ leitet. Woran das liegt, ist allerdings nicht bekannt.“ Fest steht: Beim Großteil der Fälle ist der Haarausfall genetisch bedingt. Die typischen Geheimratsecken, die Tonsur am Hinterkopf – diese Entwicklung ist in den Erbanlagen vorherbestimmt. Andere Formen können durch Stress, Medikamente oder Krankheiten ausgelöst werden, diese sind aber nicht so weit verbreitet.
Wo es Hilfe gibt
Los geht es bei Männern oft schon ab dem 20. Lebensjahr. „Erst zeichnen sich Geheimratsecken ab, dann die Tonsur am Hinterkopf und irgendwann verbinden sich die Flächen. Es ist eine schleichende Entwicklung“, erklärt Experte Bacman. Sobald ein Mann das bemerkt – und etwas dagegen tun möchte – sollte er möglichst bald einen Hautarzt aufsuchen. Spezialisierte Mediziner bieten sogar extra Haarsprechstunden an.
Mittel aus der Apotheke
Als wirksamste Methode empfiehlt Bacman Tabletten mit dem Wirkstoff Finaseterid, in Apotheken werden sie beispielsweise unter dem Produktnamen „Propecia“ verkauft. Das Medikament hemmt das Enzym, das für den Haarausfall verantwortlich ist. Eine Alternative sind Flüssigkeiten, die auf die Kopfhaut eingerieben werden, auch sie sind frei verkäuflich in Apotheken zu erhalten. Der Wirkstoff Minoxidil, der zum Beispiel in „regaine“ enthalten ist, verlängert die Wachstumsphase der Haare – auch hier ist die Wirksamkeit bewiesen.
Bio-Tinktur soll Wurzel anregen
Rein biologisch ist das Haarwuchsmittel „Hairico“, eine Tinktur, die in einem speziellen Verfahren aus Bio-Pflanzen entsteht. Hairico-Chefin Irmgard Mathieu verspricht: „Die Tinktur fördert bei vorhandener Haarwurzel oder sogenannter 'schlafender Wurzel' den Haarwuchs und reduziert den Haarausfall deutlich.“
Auch Royals bleiben nicht vom Haarausall verschont: Prinz William (hier mit seiner stets perfekt frisierten Catherine) hat ebenfalls schon mit 30 eine extrem hohe Stirn.
Foto: dpaAuch Fußballer Wayne Rooney litt unter starkem Haarausfall, er entschied sich für eine Haartransplantation. Diesen Schritt empfiehlt Dr. Bacam vor allem Betroffenen, die erst in einem späteren Stadium zu ihm kommen. „Die Entscheidung für oder gegen eine Transplantation muss aber immer im Einzelfall erfolgen“, sagt Bacman. Die Kosten dafür liegen im Normalfall zwischen 3000 und 10.000 Euro, der Betroffene muss diese Summe selbst übernehmen. Die Krankenkasse kommt für die Behandlung von Haar-Problemen nicht auf – erblich bedingter Haarausfall wird nicht als Krankheit angesehen.
Laser kräftigen Haarfolikel
Seitdem Haarverlust immer mehr Menschen belastet, haben sich daneben verschiedene Behandlungsmöglichkeiten entwickelt, beispielsweise die Reaktivierung des Haarwachstums per Laser. Dr. Reinhard Titel leitet das Skin Center Hessen und bietet diese Methode an. „Dabei stimuliert der Laser die Durchblutung der Kopfhaut mit einer Wellenlänge von 655nm“, erklärt der Experte. „Die Haarfollikel werden das gebündelte Laserlicht angeregt und gekräftigt. Erste Behandlungserfolge können bereits nach einer Aktivierungsphase von zwei bis drei Monaten sichtbar werden.“
Wichtig ist in jedem Fall, dass der Haarausfall von einem Facharzt diagnostiziert wird. Wer jeden Morgen viele Haare in seiner Bürste findet, muss nicht gleich betroffen sein: Denn rund 100.000 bis 150.000 Haare bedecken unseren Kopf. Es ist normal, dass davon bis zu 100 täglich ausfallen.
Vor Haarausfall schützen auch Adelstitel, Promi-Status und massenhaft Geld nicht: Welche Stars an Haarausfall leiden und wer etwas dagegen unternahm – in der Galerie.
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