Wenn es schmerzt, greifen wir schnell zum rezeptfreien Medikament. Doch halten die Helferlein aus der Apotheke, was sie versprechen?
Stiftung Warentest hat 1800 Arzneien unter die Lupe genommen – jedes dritte ist mangelhaft! Satte 4,12 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2008 für rezeptfreie Medikamente aus. Einen Großteil davon hätten sich die Patienten laut „Handbuch Rezeptfreie Medikamente“ (29,90 Euro) der Stiftung Warentest wohl besser gespart. 33 Prozent der frei verkäuflichen Arzneien sind nämlich zu teuer, nahezu wirkungslos oder sogar gefährlich.
(7,96 Euro, 10 Beutel gegen Erkältungsbeschwerden) Mittel nicht wirkungsvoll zusammengesetzt.
(8,95 Euro, 24 Kapseln) Zusammensetzung von Paracetamol und weiteren Wirkstoffen nicht sinnvoll. Lieber nur Paracetamol einnehmen und Nasenspray verwenden.
(9,47 Euro, 10 Beutel) Zusammensetzung der Wirkstoffe nicht sinnvoll.
(9,37 Euro, 90 ml) Vier Wirkstoffe auf Basis von 18-prozentigem Alkohol - diese Zusammensetzung laut Stiftung Warentest nicht sinnvoll.
(5,65 Euro, 20 Kombitabletten) Wenig geeignet bei Schnupfen, da Wirkstoff-Kombination nicht sinnvoll.
(4,30 Euro, 20 Stück gegen Schmerzen) Die Wirkstoff-Kombi aus Acetylsalizylsäure und Paracetamol biete keinen therapeutischen Vorteil. Zusätzlich ist Koffein drin, das könne abhängig machen.
(3,39 Euro, 10 Stück) Selbe Kritik wie bei Neuralgin Tabletten.
(4,80 Euro, 20 Stück) Wirkstoffkombination nicht sinnvoll. Inhaltsstoff Propyphenazon nur schlecht untersucht. Koffeinhaltig.
(3,86 Euro, 14 Stück) Inhaltsstoffe Chinin und Lithium tragen laut Stiftung Warentest nichts zur Schmerzlinderungbei.
(7,40 Euro, 20 Stück) Therapeutische Wirksamkeit sowie mögliche Risiken des Wirkstoffs Phenazon noch nicht ausreichend untersucht.
(6,75 Euro, 30 Stück, gegen Wechseljahrbeschwerden) Wenig geeignet gegen Hitzewallungen und Ähnliches. Es sei nicht nachgewiesen, dass die Anwendung des Wirkstoffes (Auszug aus Traubensilberkerzen-Wurzelstock) über lange Zeit unbedenklich ist. Gleiches gelte für Jinda Tabletten und Remifemin.
(27,30 Euro, 60 Stück) Therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen.
(10,66 Euro, 30 Tabletten gegen Gallenbeschwerden) Therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen.
(24,89, 50 Stück gegen chronische Lebererkrankungen) Therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen.
(22,45 Euro, 40 Stück gegen Beschwerden bei gutartig vergrößerter Prostata) Therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen.
(16,40 Euro, 100 Stück) Wirksamkeit der fixen Kombination nicht ausreichend nachgewiesen.
(5,11 Euro, 10 ml gegen Bindehautentzündung) Therapeutische Wirksamkeit der fixen Kombination nicht ausreichend nachgewiesen. Präparat enthält Konservierungsmittel.
Spersallerg Augentropfen (13,01 Euro, 10 ml) Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen.
(7,15 Euro, 50g gegen rheumatische Beschwerden oder Prellungen) Nicht sinnvolle Kombination von Wirkstoffen.
(37,75 Euro, 100 Stück gegen Rheuma) Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen.
„Viele frei verkäufliche Medikamente enthalten unnötig viele Wirkstoffe“, sagt Johanna Lederer von Stiftung Warentest. „Bei einigen ist die Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen, außerdem gibt es besondere Risiken und Nebenwirkungen.“
Gerade bei den Erkältungsmitteln gibt es viel Kritik. „Es ist ratsamer, sich für ein Medikament mit einem Wirkstoff gegen Schmerzen, ein Nasenspray und einen Hustensaft zu entscheiden, als einen Wirkstoffcocktail zu sich zu nehmen“, sagt Lederer. „Das ist billiger, wirkt gezielter und hat weniger Nebenwirkungen.“
Worauf sollten Verbraucher beim Medikamentenkauf unbedingt achten? Lederer: „Fragen Sie den Apotheker, welche Wirkstoffe in den Arzneien sind. Fragen sie gezielt nach Medikamenten mit nur einem Wirkstoff. Und Mittel, die versprechen, gleich mehrere Symptome zu lindern, sind immer mit Vorsicht zu betrachten.“
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