Marlen Peckhaus (17) aus Burscheid war schon in der Grundschule kein Mathe-Ass. Doch das fiel kaum auf. In der Waldorfschule wurden keine Arbeiten geschrieben, es gab erst spät Noten. Das rächte sich nach dem Wechsel in die höheren Klassen. Das Mädchen hatte eine ausgeprägte Lernschwäche in Mathe – Fachausdruck Dyskalkulie.
„Ich habe Formeln nur auswendig gelernt, im Kopfrechnen komplizierte Wege genommen. Dauerte ewig und führte zum falschen Ergebnis“, erzählt sie. Der Mathe-Frust – abschlussgefährdend.
Die Eltern stellten die Tochter bei einem Spezialisten für Rechenschwäche vor – und der warf das Ruder rum.
„Ich bin jetzt in der 11. Klasse, nach den Sommerferien möchte ich als Leistungsfächer Deutsch und Mathe nehmen“, strahlt die Gymnasiastin: „Ich gehöre zu den Guten, die den anderen etwas erklärt!“
Wie das?
Der Kölner Rechentherapeut Torsten Landwehr erklärt: „Dyskalkulie ist genauso verbreitet wie Legasthenie, ausgeprägte Lese- und Rechtschreibschwäche. In jeder Grundschulklasse gibt es ein, zwei Kinder, die daran leiden, rund 20 Prozent der Schüler sind gefährdet, in diese Richtung zu gehen.“
Ab 1. Klasse:
• Aufgaben werden dauerhaft durch Zählen oder seltsame Eselsbrücken gelöst
•etwas auszurechnen dauert ewig, eindeutig Falsches wird nicht erkannt
•+ und – Zeichen werden oft verwechselt
(Quelle: RTZ Rechentherapiezentrum Köln)
Ab 2./3. Klasse zusätzlich:
•1 x 1-Reihen werden mechanisch auswendig gelernt, Textaufgaben können nicht gelöst werden
(Quelle: RTZ Rechentherapiezentrum Köln)
Ab 5. Klasse zusätzlich:
•drastischer Leistungsabfall in Mathe auf der weiterführenden Schule
•Bruchrechnung wird nicht verstanden, Rechenwege können nicht erklärt werden
(Quelle: RTZ Rechentherapiezentrum Köln)
Typisch: Der schlaue Schüler, der sonst gute Noten hat, nur in Mathe nix kapiert – oder schnell begreift, aber dessen Texte vor Fehlern strotzen.
Das Tückische, so Therapeut Landwehr: Durch die Misserfolge in Mathe fängt der Betroffene an, an sich selbst zu zweifeln, was die Leistungsfähigkeit insgesamt blockiert.
Der studierte Sonderpädagoge hat als Schüler in Mathe alles zwischen „Sechs“ und „Sehr gut“ kassiert.
Völlig losgelöst vom aktuellen Unterrichtsstoff führt er seine Schützlinge auf den Weg raus dem Mathefrust: Um das Gespür für Mengen zu entwickeln, wird aus einem Glas Wasser abgeschüttet.
Das hilft, so kindisch es klingt, Matheversagern wie Marlen nachhaltig auf die Sprünge. Die 17-Jährige: „Ich weiß jetzt bei einem Ergebnis instinktiv, das kann nicht sein, und ich verstehe neue Themen sofort. Ich bin in allem besser geworden. Nicht nur in Mathe.“
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