Der Schrecken ist amtlich: Fast jede Minute wird ein neuer Krebsfall festgestellt,
450.000 Deutsche pro Jahr erkranken, 30 % mehr als 1990. So die alarmierenden Zahlen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) zum Deutschen Krebskongress in Berlin präsentiert. Doch es gibt auch eine Mut machende RKI-Statistik. Krebs ist immer öfter kein Todesurteil. „Das“, sagt Dr. Eva Kalbheim von der Deutschen Krebshilfe in Bonn, „ist die zentrale positive Botschaft.“ Trotz steigender Gesamtzahlen: Wer den Befund Krebs erhält, überlebt mit sehr viel höherer Wahrscheinlichkeit - siehe Tabelle. Ein toller Fortschritt in nur zehn Jahren!
Der Rückgang der Sterblichkeit ist sensationell. 27 % bei Frauen, 24 % bei Männern. Auch Erfolg der seit 2002 von den Kassen finanzierten Darmspiegelung, um Vorstufen, sehr frühe Stadien zu entdecken. „Das ist eine sehr, sehr gute Früherkennung“, resümiert Dr. Kalbheim, „aber nur 12 bis 15 % der Anspruchsberechtigten nutzen sie!“ Ihr Appell: „Gehen Sie hin. Ab 55 Jahren zahlt die Kasse.“
Der an sich häufigste Krebs - wenn wir, anders als das RKI, den weißen Hautkrebs dazurechnen. Das geht in Praxen derzeit oft durcheinander. Patienten hören „Das ist Krebs“, fürchten das Allerschlimmste. Tatsächlich heißt weißer Hautkrebs Basalzell- oder Stachelzell-Karzinom.
Doch weißer Hautkrebs metastasiert quasi nie, führt nicht zum Tod. Die Stelle wird herausgeschnitten, fertig. Tipp: Gehen Sie alle zwei Jahre zum Hautcheck, das steht gesetzlich Versicherten seit 1. Juli 2008 zu. Lebensbedrohlich ist der schwarze Hautkrebs aus mutierten dunklen Muttermalen.
Peter F. Weitzel (64) liebt schnelle Motorräder. Dann bekam der Diplom-Ingenieur vor sechs Jahren die Diagnose: Prostatakrebs.
Der Arzt spulte ein Routine-Programm ab: „Ich mache gleich einen Termin im Krankenhaus. Prostata und Samenblasen müssen raus.“ Weitzel bangte um sein Leben, seine Manneskraft, die Potenz: „Ich fühlte mich überfahren. Mir ging das alles viel zu schnell.“
Er versuchte („als Freund naturheilkundlicher Ansätze war ich mir sicher“) die Krankheit mit Vitaminen, Zink, Selen, Enzymen zu bändigen - erfolglos. Also doch OP - minimal-invasiv. Folge: Kontinenzprobleme. „Es lief und lief und ich war verzweifelt!“ Doch durch Beckenbodenübungen kriegte der Thüringer seine Blase wieder in den Griff.
Deutlich später kehrte die Potenz zurück. „Ich bin heute ein glücklicher Mensch. Ich fühle mich besser als ich mich in meinem Leben jemals gefühlt habe.“
Warm eingepackt gegen die Kälte, ansonsten geht es Gisela Siegeris (56) gut. Die Steuerfachgehilfin hat den Krebs überwunden.
Sie selbst fühlte den Tumor morgens im Bad. Handtellergroße Verhärtung in der rechten Brust - die Mittvierzigerin blieb gelassen.
„Schon viele Jahre zuvor waren bei mir Verkalkungen in der Brust festgestellt worden. Ich ging regelmäßig zum Arzt, ließ die gutartigen Veränderungen kontrollieren, tastete meine Brüste einmal im Monat selber ab.“ Trotzdem ging sie zur Mammografie - gottlob zügig. Denn das Röntgen zeigte Knoten. Eine Gewebeprobe (Biopsie) bestätigte: Krebs!
Tags drauf OP, 2,5 cm großer Tumor, Lymphknoten entfernt. Chemo, Strahlen. Neun Jahre ist das her. Heute ist Giesela Siegeris gesund, seit Spätsommer 2003 arbeitet sie wieder. „Es ist wichtig, den Frauen Mut zu machen“, meint sie, „ihnen zu zeigen, dass Brustkrebs heute längst kein Todesurteil mehr ist und sogar geheilt werden kann.“
● Beim Prostatakrebs, der häufigsten Krebsart beim Mann, überleben ein Viertel mehr Betroffene als 1997.
● Brustkrebs ist häufigste Krebserkrankung der Frau, doch nicht mehr die Gefährlichste. Heilungschancen liegen bei 80 (!) Prozent - quer durch alle Stadien!
Das ist medizinischem Fortschritt, vor allem aber verbesserter Vorsorge, Achtsamkeit zu verdanken, so Kongresspräsident Wolff Schmiegel. Düster bleibt die Lage bei Lungenkrebs: Frauen sterben öfter, weil sie vermehrt rauchen.
Nicht nur wegen Lungenkrebs, einer der tödlichsten Krebsarten. Auch das Risiko für Blasenkrebs ist fünffach erhöht. Brustkrebs, Leukämien entstehen häufiger. Tabakkonsum ist Ursache für ein Drittel aller Krebstodesfälle!
Alkohol selbst ist nicht krebserregend, aber befördert andere krebserzeugende Substanzen.
Verhüllen statt ausziehen, direkte Sonne in der Mittagszeit meiden, Sonnenschutz-Creme mit mindestens Lichtschutzfaktor 20 auftragen. Keine Nutzung von Solarien.
Schützen Sie sich vor Infektionen, die Krebs auslösen können, insbesondere Hepatitis B und C, HPV.
Dass Aktivsein sowohl vorbeugend wirkt als auch im Heilungsprozess hilft, ist für Darm-, Brust- und Prostatakrebs gut belegt.
Täglich viel frisches Obst, Gemüse und Salat essen.
Gerade für hormonabhängige Tumore (Brust, Prostata) ist speziell Bauchfett tückisch!
Als Durstlöscher Wasser und ungesüßten Tee bevorzugen.
Sich über Früherkennung beim Arzt informieren.
* Die „Goldenen Tipps“ der Deutschen Krebshilfe.
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560.000 sind internetabhängig
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung ist alarmiert. Immer mehr Jugendliche hängen krankhaft vor dem Computer oder am Geldspielautomaten. Der Konsum von Zigaretten, Alkohol, Marihuana und Cannabis geht dagegen zurück.
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