Empfehlen | Drucken | Kontakt30.08.2009 - 00:00 Uhr

Gefährliche Keime: Tödliche Gefahr im Krankenhaus

Von ANDREA KAHLMEIER
In Krankenhäusern können gefährliche Keime lauern.
In Krankenhäusern können gefährliche Keime lauern.
Foto: dpa (Symbolfoto)

Die unsichtbare Gefahr lauert überall. Am Krankenhauskittel, an der Fingerkuppe, am verunreinigten Skalpell. Jedes Jahr infizieren sich in deutschen Krankenhäusern rund 1,5 Millionen Patienten mit „Killerkeimen“.

Schätzungsweise 40.000 Menschen in Deutschland sterben daran - mehr als im Straßenverkehr. Todesursache: Sepsis - Blutvergiftung.

Oder Lungenentzündung. So steht es oft auf dem Totenschein. Dass in Wahrheit Antibiotika-resistene Bakterien, z. b. MRSA, die Infektionen verursacht haben, gibt keine Klinik gerne zu.

Aber Fakt ist: Die Killer-Keime haben sich in den letzten 20 Jahren explosionsartig ausgebreitet. Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass in Deutschland im Schnitt bis zu ein Viertel der Krankenhauskeime resistent sind. Und das kann für Menschen mit geschwächtem Immunsystem dramatische Folgen haben!

Fall 1:
Jeder Schritt fällt ihr schwer. Katrin Latuske hatte 2000 in einer Schweizer Hotelküche einen Berufsunfall. „39 Mal wurde ich operiert, nachdem Krankenhauskeime in den Schienbeinkopf gedrungen waren“, schilderte sie Anfang der Woche ihr Leid in der großen WDR-Dokumentation „Killerbrut“.

Fall 2:
Der Routineeingriff am Knie wurde zum blanken Horror. 70 Mal musste Thomas Laumann aus Salzgitter in 13 Jahren unters Messer. Unerträgliche Schmerzen quälten den Familienvater - bis er sich zu einem drastischen Schritt entschloss und den Unterschenkel amputieren ließ.

Fall 3:
Heidrun Valentin wurde für eine Herz-OP eine Vene aus dem Bein genommen. Doch die Wunde heilte nicht. Im Gegenteil. Wenige Tage, bevor die Ärzte ihr das Bein abnehmen wollten, starb sie.

Fall 4:
Hans Ludwig Staude (Timmendorfer Strand) wurde an seiner künstlichen Hüfte operiert und mit einer nässenden Wunde entlassen. Nach unzähligen Operationen und neuen Entzündungen ist der 72-Jährige heute auf Rollstuhl und Elektromobil angewiesen. Die Klinik ließ sich auf einen außergerichtlichen Vergleich ein - 75.000 Euro für ein verpfuschtes Rentnerdasein.

„Meistens bleibt es leider beim Vergleich“, sagt der Weilburger Rechtsanwalt Dr. Burkhard Kirchhoff, der, im Internet unter www.mrsa-anwalt.de zu finden, wöchentlich neue Klienten bekommt. Er wertet es schon als Erfolg, wenn die Krankenhäuser in den Prozessen ihre Infektionsraten und Hygienemaßstäbe offen legen müssen.

Kritiker, die blanke Panikmache unterstellen, verweist Kirchhoff auf die Niederlande, die dank eines sensiblen Umgangs mit Antibiotika und strikter Umsetzung der Hygienemaßnahme weniger Probleme mit Killerkeimen haben: Dort kommt jeder Patient, der kurz zuvor in einer deutschen Klinik behandelt worden ist, sofort in Quarantäne, gilt als „Hochrisikopatient“.

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