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Erschreckende Barmer-Studie: Deutschland säuft sich krank

Immer mehr Menschen greifen zur Flasche.
Immer mehr Menschen greifen zur Flasche.
 Foto: dapd (Symbolbild)
Berlin –  

Saufen, bis der Arzt kommt – diese flapsige Verharmlosung von Alkoholexzessen wird offenbar immer mehr traurig-bittere Realität in Deutschland. Alarm schlug am Dienstag die „Barmer GEK“ mit ihrem Krankenhaus-Report 2012. Danach sind inzwischen durch Alkoholmissbrauch ausgelöste psychische Erkrankungen hierzulande die häufigste Ursache für Krankenhaus-Aufenthalte. Krasser ausgedrückt: Deutschland säuft sich krank.

Vier von Tausend Versicherten werden inzwischen jährlich wegen durch gefährlich hohen Alkoholkonsum ausgelöster psychischer Störungen in Kliniken behandelt – so viele wie noch nie! Erst danach folgen die früher häufigsten Diagnosen wie diverse Herz- und Kreislauferkrankungen.

Auf dem ersten Platz der diagnostizierten Krankheiten im Jahr 2011: Psych. und Verhaltensstörungen durch Alkohol
Auf dem ersten Platz der diagnostizierten Krankheiten im Jahr 2011: Psych. und Verhaltensstörungen durch Alkohol
 Foto: BARMER GEK

Eine beängstigende Entwicklung, die durch andere Zahlen untermauert wird. So trinken die Deutschen pro Jahr und pro Einwohner im Schnitt 12,9 Liter reinen Alkohol – und sind damit Europameister (Europa-Schnitt: 12,5 Liter). Das macht per annum 800 Flaschen Bier oder 153 Flaschen Wein für jeden Deutschen.

„In Südeuropa hat sich der Alkoholverbrauch in den letzten 30 Jahren mindestens halbiert“, so Experte Jürgen Rehm von der TU Dresden. In Deutschland wird dagegen eher mehr als weniger gezecht. Über eine Million Deutsche sind alkoholabhängig, nur jeder Zwölfte beginnt eine Therapie. Erhebliche Folgen hat dies u.a. auch fürs deutsche Gesundheitssystem. So explodierten die Kosten für Behandlungen, Reha und Pflege auf 287 Milliarden Euro pro Jahr – neuer Rekord.

Das zweite Alarmsignal im Krankenhaus-Report 2012: Beängstigende Spätfolgen bei Männern durch Prostata-OPs. So klagen nur ein Jahr nach der Prostata-Entfernung 70 Prozent der Patienten über Impotenz und 16 Prozent über Harninkontinenz.

Eva Maria Bitzer, Autorin des Reports: „Ein großer Teil der Patienten muss ein Leben lang mit gravierenden Folgewirkungen rechnen. Gerade bei Prostatakrebs muss die Behandlung nicht gleich Operation, Bestrahlung oder Medikamente nach sich ziehen.“ Prostatakrebs ist vor Hautkrebs die häufigste Krebserkrankung bei deutschen Männern, bei diesen für zehn Prozent der Krebssterbefälle verantwortlich.

Die Umfrage fand auch heraus, dass die Menschen in NRW bundesweit am längsten im Krankenhaus bleiben.
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 Foto: BARMER GEK
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