Empfehlen | Drucken | Kontakt08.12.2008 - 00:00 Uhr

Wg. Journalist Weinreich: DFB-Boss Zwanziger droht mit Rücktritt

Von THOMAS GASSMANN
Journalist Jens Weinreich
Journalist Jens Weinreich
Foto: dpa

Frankfurt - Eigentlich wollte Dr. Theo Zwanziger am Montag in der DFB-Zentrale nur seine kleine aber freudige Jahresbilanz verkünden.

Nach 45 launigen Minuten ließ er die Bombe platzen. Der Präsident des größten Sportverbandes der Welt denkt an Rücktritt!

DFB-Boss Dr. Theo Zwanziger droht mit Rücktritt.
DFB-Boss Dr. Theo Zwanziger droht mit Rücktritt.
Foto: Getty

„Ich werde meine persönliche Ehre nicht auf dem Altar meines Amtes opfern“, erklärte der 63-Jährige. Und fügte in kleiner Runde hinzu, wie ernst er ans Hinschmeißen denkt.

„Mein Entschluss steht. Es gibt Dinge, die ich nicht mitmache. Ich muss schließlich jeden Tag in den Spiegel schauen können.“

Der Mann, der Zwanziger stürzen könnte, heißt Jens Weinreich. Freier Journalist. Schreibt auch für die Süddeutsche Zeitung.

Im Fußball-Blog „direkter-Freistoß.de“ bezeichnete er den DFB-Boss als „unglaublichen Demagogen“, der kurz vor dem Durchdrehen sei. Zwanzigers Auftritt auf einem Kongress des Olympischen Sportbundes in Berlin, auf dem der Funktionär das Kartellamt kritisierte, sei zudem auf seiner persönlichen Peinlichkeitsskala nicht mehr zu unterbieten.

Von diesen Angriffen fühlt sich Zwanziger tief verletzt und gekränkt. Außerdem habe das seiner Ansicht nach nichts mehr mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung zu tun. Weinreich habe ihn in die rechte Ecke gestellt. „Wenn ich das Wort Demagoge höre, denke ich an Goebbels.“

Autor Weinreich hat sich bislang nicht entschuldigt, erklärte stattdessen: „Ich kann die Aussage Zwanzigers nicht nachvollziehen.“

Zwanziger scheiterte mit einer Einstweiligen Unterlassungserklärung. Auch die Beschwerde wurde abgeschmettert. Jetzt nimmt der DFB-Boss sein Schicksal selbst in die Hand. Nächstes Jahr will er Weinreich vor Gericht zerren.

Denn: „So etwas kann man mit mir nicht machen“, so Zwanziger, „irgendwann heißt es, ich sei ein Massenmörder. Oder ein Trinker, nur weil ich mal ein Bier in der Hand hatte. Nein, das geht nicht. Ich wehre mich.“

Sollte das Gericht Zwanziger allerdings nicht folgen, muss sich der DFB einen neuen Präsidenten suchen. „Dann werde ich sehr ernsthaft in Erwägung ziehen, ob ich dieses an sich sehr schöne Amt weiter führen werde.“

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