Empfehlen | Drucken | Kontakt04.03.2010 - 20:16 Uhr

Jogi Löw: Letzte Warnung an Podolski

Von THOMAS GASSMANN und MARCEL SCHWAMBORN
Foto: dpa
München –  

Weit nach Mitternacht trat Lukas Podolski (24) im DFB-Hotel „Charles“ zum Rapport bei DFB-Boss Theo Zwanziger, Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff an.

Das 0:1 gegen Argentinien spielte zu diesem Zeitpunkt keine Rolle. Es ging um Poldis Wutanfall gegen den DSF-Reporter Christian Ortlepp.

Der Journalist hatte den Stürmer in der Medienzone der Allianz-Arena abgefangen. Zuerst blühte der Flachs. Doch als Ortlepp frotzelte „Poldi, bist du sauer, dass der Bundestrainer dich nicht eingewechselt hat?“ wurde es giftiger. Der TV-Mann legte nach: „Wenigstens beim Aufwärmen hattest Du ja einen Torschuss.“

Das reichte, Poldi verlor die Fassung. Er schlug nach dem Handy des Reporters, fauchte diesen an. „Was, was?“, schleuderte er Ortlepp entgegen, „Komm raus. Kannst die große Fresse draußen machen.“ Dann marschierte er raus zum Bus. Aber statt sich abzukühlen, schob der Nationalspieler einen Sicherheitsbeamten zur Seite, kam zurück und blaffte den Reporter erneut an.

Eine Geschichte mit Zündstoff. Schließlich hatte der 24-Jährige im WM-Quali-Spiel in Wales im April 2009 zum ersten Mal seine Contenance verloren und Mannschaftskapitän Michael Ballack eine Backpfeife verpasst. Bundestrainer Joachim Löw hatte Poldi verwarnt, bei einer Wiederholung mit dem Rauswurf gedroht.

Podolski zeigte sich einsichtig. „Ich fühlte mich provoziert. Darüber habe ich mich geärgert und ihm deshalb deutlich meine Meinung gesagt. Ich habe ihn aber nicht geschlagen. Wenn ich mich im Ton vergriffen habe, entschuldige ich mich dafür.“

Ortlepp stützte gegenüber dem DFB Poldis Aussagen. Und so kam der 24-Jährige ohne Strafe davon. Aber Löw lässt es dabei nicht bewenden. Es ist die letzte Verwarnung! „Seine unbeherrschte Reaktion ist nicht zu rechtfertigen“, erklärte Löw gestern dem EXPRESS, „er muss an sich arbeiten und sich künftig besser unter Kontrolle haben.“

Auch Löw hat erkannt, dass irgendetwas schief läuft beim Kölner. „Lukas steckt in einer schwierigen Phase. Er setzt sich stark unter Druck. Und wenn es nicht so läuft beim FC, wird alles auf ihn bezogen. Das spürt er natürlich. Die Situation für Lukas ist nicht einfach.“ Und dann der Satz, der alles sagt: „Lukas hat seine Leichtigkeit verloren.“

Um die zurückzugewinnen, wolle er, Löw, alles tun. Denn nach wie vor ist er vom FC-Star voll überzeugt. Und lobt ihn: „Ich weiß, dass er alles versucht, die schlechte Formkurve wieder umzudrehen. Er lässt sich nicht hängen. Lukas kämpft dagegen an. Und mir imponiert, dass er überhaupt nicht daran denkt, Köln zu verlassen. Im Gegenteil: Lukas hat sich voll und ganz auf den FC fokussiert.“

„Er befindet sich wie viele junge Spieler in einem Lernprozess. Er muss diese Phase jetzt überstehen. Dann kommt er stärker denn je wieder da raus.“

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