Empfehlen | Drucken | Kontakt10.09.2010 - 10:05 Uhr

Don Calli macht die Liga rund: Finger weg von Felix Magath

Von REINER CALMUND
Der ehemalige Bayer-Manager Reiner Calmund.
Der ehemalige Bayer-Manager Reiner Calmund.
Foto: dpa

Heidewitzka, Herr Kapitän! Ich habe ja schon einiges hinter mir und jede Menge erlebt. Aber auch ein so alter Sack wie ich lernt nie aus.

Zwei Spieltage sind vorbei und schon spielt alles verrückt in der Liga. Zwei Spieltage, die es in sich hatten – keine Frage. Aber was da auf der Bühne Bundesliga abgeht, das gleicht mitunter schon einem Narrenstück!

Vorhang auf und Bühne frei – Freitagabend geht“s los! Schalke ohne Punkt beim ungeschlagenen Spitzenreiter Hoffenheim. Dann in der Champions-League in Lyon. Danach der Derby-Kracher gegen den BVB. Hammerwoche!

Am Rande des Länderspiels in Köln gab es zwei Themen: Sie werden es sich schon denken können - natürlich Michael Ballack. Und Felix Magath. Sie werden es nicht glauben, aber viele sogenannte Experten haben Felix an den Karren gepinkelt. Da fass ich mir an die Birne. Kritik an Magath? Nach zwei Niederlagen? Lasst mal schön die Kirche im Dorf, Kinder.

Wir reden hier vom erfolgreichsten Bundesligatrainer der vergangenen zehn Jahre. Den VfB Stuttgart führte er von der Intensivstation (Platz 17) in die Champions-League und formte in den Grundzügen die Truppe, die unter Armin Veh Deutscher Meister wurde.

Mit den Bayern heimste er vier Titel ein, den VfL Wolfsburg führte er aus dem Niemandsland der Tabelle zur Meisterschaft. Und weil ich weiß, dass meine Schalker Freunde nicht unter akutem Verlust ihres Kurzzeitgedächtnisses leiden, bin ich sicher, dass keiner vergessen hat, wer sie in die Königsklasse gebracht hat – Felix Magath!

Er ist – in erster Linie für seine Spieler – alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Viele behaupten, wenn du bei ihm trainierst, freust du dich aufs Sterben. Felix ist ein harter Hund und gerade deshalb ein erstklassiger Trainer.

Wer ihm nun Panikkäufe vorwirft, kennt die Situation nicht. Es ist unverschämt, ihn für den zwingend notwendigen Umbruch verantwortlich zu machen. Ich habe dieser Tage nicht nur mit Magath sondern auch mit Schalke Boss Peter Peters und dessen Kollegen geplaudert. Alle halten Magaths Maßnahmen für lebensnotwendig.

Nehmen wir das Beispiel Kevin Kuranyi. Der wollte weg und Netto-Kohle in Moskau verdienen. Also musste Ersatz her. Und da ist Huntelaar eine gute Wahl. Auch wenn der ein oder andere Top-Star vor dem Holländer auf dem Zettel stand.

Oder Bordon. Der Abwehrchef kokettierte Jahr für Jahr mit seinem Abschied. Zuletzt wurde er älter, schlechter und blockierte Millionen Euro durch sein Gehalt.

Nehmen wir Rafinha. Ein toller Rechtsverteidiger. Aber Identifikation mit dem Verein? Null! Der stand jede Woche auf der Matte und wollte den Klub wechseln - gerade auf Schalke eine Todsünde. Da sein Vertrag im nächsten Jahr sowieso ausgelaufen wäre, hätte Schalke keine Kohle kassiert. Deshalb Kompliment an Magath und seine Mitstreiter. Sie haben Rafinha die Briefmarke auf den Hintern geklebt und für knapp 10 Millionen € nach Genua geschickt.

Schließlich Heiko Westermann. Über den Transfer zum HSV kann man diskutieren. Schalke begründet den Verkauf mit der enormen Ablösesumme (8 Millionen €) und Gehaltseinsparungen. Kritiker wenden nicht zu unrecht ein, dass der vielseitige Nationalspieler ein großer sportlicher Verlust ist.

Der Blitztransfer von Madrids Supertechniker Jurado ist absolut nachvollziehbar, auch wenn er als offensiver Mittelfeldspieler noch Zeit braucht. Klar ist, dass sich die neue Abwehr, in der nur Höwedes eine feste Größe ist, einspielen muss. Was wird aus Metzelder? Was kann der neue Franzose Plestas? Sie werden noch nicht die Qualität haben wie das Bollwerk aus dem letzten Jahr.

Diese Fragen zu beantworten, braucht Zeit, aber die hat gerade einer wie Magath verdient. Oder haben meine Schalker Freunde vergessen, wer sie in die Champions League geführt hat? Mit Schmitz und Moritz und Matip?

Aber dass die Zukunft des FC Schalke 04 nur Felix Magath heißen kann, muss auch dem letzten Traditionalisten klar sein. Tradition soll man pflegen, kaufen kann man sich aber nichts dafür. Wie viele Traditionsunternehmen, die unser Land nach dem Krieg stark machten, gingen in den vergangenen Jahren pleite?

Weil sich die Macher neuen Märkten und Methoden verschlossen. Es geht um den Erfolg und der muss bezahlt werden. Für die Traditionspflege hat Felix ja die Medizinbälle auf dem Programm stehen. Damit keiner vergisst, dass auf Schalke Malocher zu Hause sind!

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