Am 3. Januar wird Andreas Rettig (49) offiziell neuer DFL-Geschäftsführer. Lesen Sie hier Teil zwei des großen Interviews.
Verliert die Liga an Attraktivität? Bei allem Respekt, aber manche Paarungen locken aufgrund der Namen keinen Hund vor dem Ofen hervor.
Rettig: Falscher Ansatz! Wir dürfen nicht durch die Vermarktungsbrille an diese Dinge herangehen. Ich bin ein absoluter Verfechter der fußballerischen Leistung. Wer sich sportlich qualifiziert, hat es sich verdient, Bundesliga zu spielen – auch wenn es dem einen oder anderen nicht passt.
Was halten Sie von dem Ansatz: Mehr TV-Gelder für Traditionsklubs, die mehr Leute vor den Fernseher ziehen.
Der Ligavorstand hat ja kürzlich den neuen Verteilerschlüssel für die TV-Gelder beschlossen: Ich finde den großartig. Die 2. Liga bekommt 20 Prozent der TV-Einnahmen. Vor dem Zeichen der Solidarität, das die großen Klubs gesetzt haben, kann man nur den Hut ziehen.
Erklären Sie bitte mal genauer.
Die DFL hat mit Hilfe von objektiven Kriterien genauestens analysiert, wie hoch der reale Vermarktungswert der Zweiten Liga ist, wenn sie alleinstehend vermarktet worden wäre. Das ist bei weitem nicht der Betrag, auf den man sich jetzt geeinigt hat. Dadurch, dass die großen Vereine gesagt haben, wir sind bereit, etwas abzugeben, erhält die 2. Liga deutlich mehr Mittel.
Womit sich die großen Vereine international schwächen?
Ich denke nicht. Ich glaube, dass wir dadurch perspektivisch besser aufgestellt sind. Das Gesamtniveau ist höher, weil es viel ausgeglichener ist. In den vergangenen sieben Jahren hatten wir vier verschiedene Meister und fünf Pokalsieger. Deshalb hält diese Solidarklammer zwischen den Ligen.
Das deutsche Lizenzierungsverfahren gilt als vorbildlich. Warum haben dennoch Vereine finanziell starke Probleme?
Da muss man unterscheiden. Einige Klubs sind in Schieflage geraten durch das Thema Stadion. Im Rahmen der WM 2006 sind Milliarden verbaut worden, da war es ein politischer Wille, da gab es Landesbürgschaften, alles war abgesichert. Andere Klubs kamen unter Druck, mussten Stadionprojekte ans Laufen kriegen und haben sich manchmal verhoben. Das ist der eine Aspekt.
Und der zweite?
Für mich ist klar: Wir müssen mehr Verantwortungsbewusstsein in den Klubs übernehmen. Wenn alle 36 Geschäftsführer oder Manager und alle 36 Trainer alles richtig machen, jeden Tag 24 Stunden lang alles richtig machen – dann steigen trotzdem in jeder Liga drei ab. Deswegen müssen wir aufhören, uns treiben zu lassen und unvernünftige Dinge zu tun, um die eigene Situation zu retten. Wenn ich Verantwortung habe für die Zeit nach meiner eigenen Vertragslaufzeit, dann sind wir einen Schritt weiter.
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