Fünf Jahre nach dem Fall Hoyzer rollt ein Wettskandal ungeahnten Ausmaßes auf Deutschland und die Fußball-Welt zu.
Wie der Sportinformations-Dienst aus sicherer Quelle erfuhr, werden Spiele in mindestens neun Top-Ligen, darunter auch in Deutschland, auf Manipulationen untersucht. Neben Deutschland sind unter anderem Österreich, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Ungarn, Slowenien, die Schweiz und die Türkei betroffen.
Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte zuvor bekannt gegeben, dass im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen eine international agierende Bande „eine Vielzahl von Durchsuchungen und Festnahmen im gesamten Bundesgebiet sowie im Ausland“ vorgenommen worden seien. Am Freitag will sich die Staatsanwaltschaft zu den Vorfällen äußern.
Bei der UEFA hielt man sich noch bedeckt. „Details kennen wir nicht. Wir wissen noch nicht, welche Ligen in Deutschland betroffen sind und ob deutsche Vereine oder Funktionäre selbst aktiv waren - oder ob lediglich auf deutsche Spiele gewettet worden ist“, sagte UEFA-Mediendirektor Rob Faulkner.
„Die Beschuldigten sind verdächtigt, Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle aus hochrangigen europäischen Fußballligen gegen Geldzahlungen dazu veranlasst haben, den Ausgang von Spielen zu manipulieren und diese Situation für Wettbetrügereien ausgenutzt zu haben“, so die Staatsanwaltschaft Bochum.
Hier wurden bislang fünf Haftbefehle vollstreckt, insgesamt wird gegen 100 Tatverdächtige ermittelt. Auch gegen den 49-jährigen Milan S., der im Hoyzer-Prozess noch mit einer Bewährungsstrafe (ein Jahr und vier Monate) davongekommen war.
Sollten sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bestätigen, würde der Teilhaber der Wett-Hölle „Café King“ diesmal wohl ins Gefängnis wandern – es drohen bis zu zehn Jahre Haft.
Nach einer Meldung des Onlinedienstes der Süddeutsche Zeitung haben die Ermittler den Verdacht, dass auch eine Partie in Deutschland manipuliert worden sein könnte. Dabei soll es sich um das Freundschaftsspiel SSV Ulm gegen Fenerbahce Istanbul (0:5, mit Kölns Ex-Trainer Christoph Daum) am 14. Juli 2009 handeln. Aus den Unterlagen der Ermittler ergebe sich der Verdacht, „bislang unbekannte Spieler des SSV Ulm sollen für ihre Bereitschaft zu verlieren“ einen niedrigen fünfstelligen Betrag insgesamt erhalten haben. Es handele sich dabei nur um einen Anfangsverdacht.
Die UEFA hatte ihrerseits erst unlängst bekannt gegeben, das 40 Spiele auf mögliche Manipulationen untersucht werden. Dabei handelt es sich auch um Begegnungen der Champions League sowie des UEFA-Cups. Gegenstand dieser Untersuchung sind Qualifikationsspiele für die europäischen Wettbewerbe.
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