Empfehlen | Drucken | Kontakt09.02.2010 - 20:15 Uhr

DFB & Nationaltrainer: Der Frieden von Frankfurt

Foto: ddp
Frankfurt/Main –  

Bundestrainer Joachim Löw und Teammanger Oliver Bierhoff haben Frieden mit DFB-Präsident Theo Zwanziger geschlossen.

Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz wurde ihr Streit offiziell für beendet erklärt.

„Ich bedauere es sehr, dass es zu so einer Situation gekommen ist. Mir ist deutlich geworden, dass die Art und Weise unserer Präsentation beim Präsidenten und auch beim Generalsekretär der falsche Weg war. Ich habe mich vor allem bei Dr. Zwanziger entschuldigt, dass ich seine Gefühle verletzt habe, das tut mir leid. Aber nach den Gesprächen mit Dr. Zwanziger und Wolfgang Niersbach bin ich mir sicher, dass wir wieder harmonisch zusammenarbeiten können“, sagte Oliver Bierhoff.

Der Teammanager war wegen seiner Verhandlungsführung stark in die Kritik und vor allem beim Präsidenten in Ungnade gefallen war. DFB-Boss Theo Zwanziger zeigte sich versöhnlich und gestand selbst Fehler ein. Er betonte, dass Löw gemeinsam mit seinem Trainerteam und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff die deutsche Auswahl bei der WM zum Erfolg führen wolle. „Dieser Erfolg ist nur mit diesem Trainer machbar“, sagte Zwanziger. Alle Missverständnisse seien in „langen, intensiven und vor allem vertraulichen Gesprächen“ aus der Welt geschaffen worden und man werde „gemeinsam und vollkommen harmonisch“ den Fokus Richtung Südafrika lenken.

Zwanziger räumte aber auch ein, dass das freundschaftliche Verhältnis gelitten habe. „Wir sind alle nur Menschen. Nach den Vorkommnissen der vergangenen Tage kann morgen nicht wieder alles so wie gestern sein. Die Vergangenheit war ausgezeichnet, aber dieses gute Verhältnis ist in den vergangenen Tagen beschädigt worden. Die Balance war in Unordnug geraten, das Vertrauenverhältnis war angekratzt. Nun müssen wir an dem Vertrauenverhältnis arbeiten“, sagte Zwanziger, der ankündigte: „Ich werden meinen Teil dazu beitragen.“

Der Frieden von Frankfurt
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Der Präsident, der eigene Fehler eingestand und vor allem das 48-Stunden-Ultimatum vergangene Woche an Löw im Nachhinein als „sehr unglücklich“ bezeichnete, will Löw und sein Team Richtung WM nun weiter vorbehaltlos unterstützen. „Das sind wir Millionen deutschen Fans schuldig. Darüber müssen Meinungsverschiedenheiten über Vertragsfragen zurückstehen.“ Darüberhinaus betonte Zwanziger, dass es nie seine Absicht war, Löw und auch Bierhoff gegenüber respektlos zu sein.
Die Distanz zu Bierhoff, der Zwanziger beim DFB installiert hatte, war aber trotz aller Annährung nach wie vor spürbar. „Ich habe ihn immer gewollt, auch in dieser Position gewollt. Wir brauchten auf dieser Basis früher nie Gespräche. Als ich dann sah, was auf uns zukommt, war ich erschrocken.“

Die Vertragsverhandlungen wurden vorübergehend auf Eis gelegt und sollen nach der Weltmeisterschaft weitergeführt werden. Der Bundestrainer versicherte: „Für mich ist es kein Problem, ohne einen neuen Vertrag in die WM zu gehen. Ich freue mich auf das Turnier und kann versprechen, dass unsere Mannschaft topvorbereitet zur WM fahren und dort eine gute Rolle spielen wird.“ Löw machte aber auch deutlich, dass er auch in Zukunft mit Bierhoff zusammenarbeiten wolle.

Bierhoff verwies aber auch noch einmal darauf, dass die in die Öffentlichkeit kolportierten Forderungen vor allem hinsichtlich seiner Person „nicht korrekt dargestellt worden sind und teilweise sogar ganz falsch sind“.
Eine Mitschuld am Chaos der vergangenen Tage gab sich auch DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. „Keine Frage, wir hatten Stress. Ich kreide mir an, dass ich es versäumt habe, nach dem 14. Januar den Weg der Kommunikation zu suchen. Das Ganze hat sich dann so entwickelt wir es alle nicht wollten“, sagte der frühere Pressesprecher und meinte selbstironisch: „Was waren wir für Hornochsen, dass wir eine solche Diskussion in der Öffentlichkeit zugelassen haben.“

Für den DFB-General ist nach dem reinigendem Gewitter aber auch klar: „Deckel drauf, die Chose ist vorbei.“

Zwanziger brach zudem eine Lanze für Löw, über dessen Vertragsverlängerung trotz aller Wertschätzung aber, wie Ende vergangener Woche beschlossen, erst nach der WM verhandelt werde. „Dieser Erfolg bei der WM, so schwer er auch wird, ist nur mit diesem Trainer zu machen. Präsident, Generalsekretär und Manager sind austauschbar, der Trainer aber nicht.“

Oliver Bierhoff
Joachim Löw
Theo Zwanziger

„Herr Bierhoff, haben Sie sich nach den Vorfällen der letzten Tage auch einmal selbstkritisch hinterfragt?“

Oliver Bierhoff: „Ich bedaure es sehr, dass diese Situation entstanden ist. Das war nicht im Interesse des Projekts WM 2010. Man fragt sich, was verkehrt gelaufen ist. Ich habe mich mit erfahrenen Leuten unterhalten und mir ist dabei deutlich geworden, dass die Art und Präsentation unserer Vorstellungen die falsche war. Sie hat zu Verletzung von Gefühlen geführt.“

„Glauben Sie, dass das zerstörte Vertrauensverhältnis wieder gekittet werden kann?“

„Wir hatten in den letzten Jahren ein großes Vertrauensverhältnis geschaffen. Wir wurden bei allen Projekten ständig unterstützt. Und ich bin sogar ins DFB-Präsidium berufen worden. Ich kann verstehen, dass das Vorgehen zu Irritationen und Verärgerung geführt hat. Aber die Intention war eine gute. Ich bin davon überzeugt, dass wir weiter harmonisch und vertrauensvoll zusammenarbeiten können.“

„Haben Sie sich bei DFB-Präsident Theo Zwanziger für ihr Verhalten entschuldigt?“

„Ich habe ihm gesagt, dass es mir leid tut, seine Gefühle verletzt zu haben. Ich konnte es nachvollziehen, dass Dr. Zwanziger verärgert war. Wir hatten jetzt aber ein sehr harmonisches Gespräch. Das war ganz, ganz wichtig, um diese Sache abzuschließen. Da konnte von Eiszeit keine Rede mehr sein.“

„In der Öffentlichkeit wurden Sie als Sündenbock der gescheiterten Vertragsverhandlungen dargestellt. Was haben Sie aus der ganzen Situation gelernt?“
„Ich werde nie wieder beim ersten Vertragsgespräch ein Papier vorlegen. Es ist nicht die erste schwierige Situation, die ich durchstehen muss. In jeder Krise steckt auch eine Chance. Als Persönlichkeit und Sportler habe ich am meisten aus Krisen gelernt.“

„Herr Löw, wie haben Sie nach der geplatzten Vertragsverlängerung die letzten Tage erlebt?“

Joachim Löw: „Ich hatte schon mit der Situation zu kämpfen und war angespannt. Ich habe mich gefragt, wie konnte es so weit kommen. Man fragt sich das und ist auch selbstkritisch. Was für einen Fehler hat man selbst gemacht?“
„Wie kam es jetzt zur Annäherung zwischen Ihnen und DFB-Präsident Theo Zwanziger?“
„Wir haben am Montag und Dienstag sehr vertrauensvolle und intensive Gespräche geführt, so wie das auch in den letzten sechs Jahren immer der Fall war. Wir haben eine klare Linie bis zur WM gefunden. Die Dinge, die vorgefallen sind, sind abgehakt. Die Missverständnisse sind aus dem Weg geräumt. Es wird bis zur WM keine Zugabe mehr geben.“
„Glauben Sie, dass dies die Basis für ein erfolgreiches WM-Abschneiden sein kann?“
„Wir sind uns alle einig, dass das gesamte Interesse der WM in Südafrika gelten muss. Wir müssen die Mannschaft so vorbereiten, dass sie ein gutes Turnier spielt. Denn wir haben eine unglaublich hohe Verantwortung, weil wir ein ganzes Land, weil wir Deutschland vertreten. Dahinter stehen Millionen von Fans, die hoffen, dass wir eine gute WM spielen. Ich kann versichern, dass wir alles tun werden, damit das gelingt.“
„Ist es für Sie schwierig, mit der Ungewissheit über die Zukunft in die WM zu gehen? Ihr Vertrag läuft ja am 31. Juli 2010 aus.“
„Ich kann hervorragend damit leben. Ich bin selbstbewusst genug, um mit dieser Situation umzugehen. Das ist für mich kein Problem. Was jetzt zählt, ist die Vorbereitung auf die WM und dann das Turnier.“
„Sie haben zuletzt immer wieder betont, nach der WM nur zusammen mit Manager Oliver Bierhoff weiter machen zu wollen. Gilt das immer noch?“
„Bis zur WM gibt es eine klare Linie. Über das Nachher mache ich mir noch keine Gedanken. Ich habe immer gesagt, dass wir bis zur WM gemeinsam weiter machen. Danach wird man sich unterhalten.“

„Herr Zwanziger, der Streit zwischen Ihnen auf der einen Seite und Bundestrainer Joachim Löw sowie Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff auf der anderen Seite ist öffentlich beigelegt. Wie geht es jetzt weiter?“
Theo Zwanziger: „Es geht um den deutschen Fußball und eine erfolgreiche WM. Da müssen Vertragsfragen zurückstehen. Keiner von uns hat das Recht, Millionen von Fans ein Szenario zu liefern, dass sich die Mannschaft aus der Verantwortung stehlen könnte.“

„Also liegen die Vertragsverhandlungen auf Eis?“
„Wenn ein gut angedachtes Projekt so in die Hose geht, macht es keinen Sinn, es jetzt vor der WM noch einmal zu probieren. Deshalb wird es keine weiteren Gespräche dazu vor der WM mehr geben. Nach der WM werden wir gemeinsam weiter sehen. Es ist kein Tischtuch zerschnitten. Manchmal liegt das Glück auch darin, dass man etwas Zeit vergehen lässt.“
„Stehen Sie voll hinter Joachim Löw als Bundestrainer?“
„Ich betone ganz klar: Erfolg bei der WM in Südafrika gibt es nur mit diesem Trainer. Viele sind auswechselbar, aber die Mannschaft braucht diesen Trainer.“
„Wie konnte es Ihrer Meinung nach zu seiner Eskalation kommen und sehen Sie dabei auch Schuld bei sich?“
„Ich habe die vorgelegten Verträge gesehen und gedacht: Das geht so nicht. Mein Gegenvorschlag war nie als Ultimatum gedacht, sondern ein Versuch, die Situation zu retten. Das Ziel und mein Wunsch war ja, die Verlängerung des Vertrages von Joachim Löw. Ich hätte aber am vergangenen Mittwoch zum Telefonhörer greifen sollen, um die Lage einen Tag vor der Präsidiumssitzung möglicherweise etwas zu entspannen.“
„In der Sache fühlen Sie sich aber nach wie vor im Recht?“
„Es kann im Verfahren und in den Ansichten zu Meinungsverschiedenheiten kommen, aber es darf nicht passieren, dass die Nationalmannschaft zu weit vom DFB entfernt ist. Da muss man sehr auf die Balance achten."

Bleibt etwas hängen und ist das alte Vertrauen wieder herzustellen?"
“Es ist schon so, dass emotional etwas kaputtgegangen ist. Wir werden daran arbeiten, dass feste Vertrauensverhältnis, dass nahezu ein freundschaftliches war, wieder herzustellen. Und die Chancen sind sehr gut, dass dies geschieht.„

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