Empfehlen | Drucken | Kontakt07.02.2012 - 19:09 Uhr

Analyse des Alzheimer-Kranken: Professor: „Assauer wirkt nicht unglücklich“

Von SIEGLINDE NEUMANN
Rudi Assauer in der ZDF-Reportage
Köln/Mainz –  

Rudi Assauer (67), dieser Bär von Mann, müht sich, eine Uhr zu zeichnen, kriegt es nicht hin. Er trifft Ex-Torwart Jens Lehmann - der sagt danach: „Ich bin nicht sicher, ob er mich erkannt hat.“

Die ZDF-Reportage „Ich will mich nicht vergessen“ fesselte Dienstag ein Millionenpublikum. Ein Jahr lang ließ sich Schalkes Alzheimer-kranker Ex-Manager von TV-Reportern begleiten, ins heimische Wohnzimmer, zum Gedächtnistest in die Klinik und in sein geliebtes Schalke-Stadion.

„Eine einfühlsame Schilderung mit vielen charakteristischen Aspekten“, urteilt Prof. Gereon Fink, Chefarzt der Neurologischen Uniklinik Köln. Für uns analysierte der Demenz-Experte Assauers Verhalten. Zu sehen gab es eine Szene, in der Assauer in die Arena geht und Autogramme gibt.

„Der Versuch, eine Fassade aufrechtzuerhalten, ist hier besonders offenkundig“, sagt Prof. Fink. „Herr Assauer schreibt Autogramme, tut, als ob alles in Ordnung sei, schüttelt die Hand, geht aber weiter, ohne auf die Leute einzugehen – typisch für die Erkrankung.“

Besonders bewegend war der Moment, als der Ex-Manager beim Gedächtnistest begleitet wird. „Zeichnen Sie eine Uhr“, lautete die Aufgabe. Ein Standardtest bei Demenz-Verdacht. Assauer nimmt den Stift, zeichnet wirr Zahlen aufs Blatt, setzt schließlich vier Ziffern in einer Reihe untereinander – fertig. Prof. Fink: „Er nimmt sein Scheitern sehr lässig auf, auch das zählt zum Schutzwall, zur Fassade.“

Nach der Trennung von Ehefrau Britta ist der 67-Jährige inzwischen bei Tochter Bettina eingezogen. Zu sehen war, wie er sich in der Wohnung seiner Tochter nicht hinsetzt, sondern unruhig herumläuft. „Motorische Unruhe, Rastlosigkeit, Ruhelosigkeit sind ebenfalls Ausdruck der Erkrankung“, analysiert der Experte. „Er ist ganz klar schon weit fortgeschritten in seiner Demenz, einzelne Szenen sind echt bedrückend. Aber es wird auch deutlich: Er ist nicht unglücklich, er geht trotz alledem zum Fußball, hat Spaß.“

Auch das gelte für sehr viele Demenzpatienten: „Sie haben noch lange Lebensqualität, wenn sie eine Umgebung haben, die sie auffängt – bei Assauer würde ich aufgrund des Films sagen: Das ist seine Tochter.“

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