Empfehlen | Drucken | Kontakt11.11.2009 - 21:37 Uhr

Enkes Witwe Teresa: "Wir dachten, mit Liebe geht das..."

Foto: AP
Hannover –  

„Wir dachten, wir schaffen alles. Wir dachten, mit Liebe geht das. Aber man schafft es doch nicht immer."

Teresa Enke, die tapfere Witwe von Robert Enke. Sie stellte sich selbst am Mittwochmittag der Öffentlichkeit, um aufzuklären. Über Robert Enkes geheimes Leiden, seine Depression, seinen langen Kampf dagegen - und wie sehr er den Fußball liebte.

Zusammen mit dem Kölner Psychologen Dr. Valentin Markser aus Köln, Roberts Arzt, und 96-Pressesprecher Andreas Kuhnt berichtet sie, wie sehr der Keeper über Jahre litt. Und wie er schließlich wohl aufgab. Noch am Tag seines Selbstmordes lehnte Robert Enke eine stationäre Behandlung ab.

Mit zitternder Stimme erklärt Teresa Enke: "Wenn er akut depressiv war, war es eine sehr schwere Zeit für ihn. Wir haben die Zeit der Depressionen zusammen durchgestanden. Wir haben das schon einmal durchlebt. Das alles und was wir nach Laras Tod zusammen durchmachen mussten, hat uns sehr zusammengeschweißt."

Die Pressekonferenz mit Witwe Teresa Enke
Bildergalerie ( 10 Bilder )
Bewegende Trauer-Andacht für Robert Enke
Bildergalerie ( 23 Bilder )

Die Witwe gibt einen sehr persönlichen Einblick in das Leben der kleinen Familie: "Es war sein ausdrücklicher Wunsch, alles aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Ich war immer dabei, bin immer mit zum Training gefahren, wollte ihm helfen, das durchzustehen. Ich habe versucht, ihn zu überzeugen, dass er eine Perspektive und mehr als Fußball hat. Er hätte auch andere Hilfe als die Klinik in Anspruch nehmen können, aber er wollte es nicht."

Die Angst, auch Leila zu verlieren
Teresa Enke schiebt den Kinderwagen mit Adoptivtochter Leila.
Foto: Getty

Robert Enke und seine Frau Teresa hatten nach dem Tod ihrer zweijährigen Tochter Lara im Jahr 2006 (sie hatte einen angeborenen Herzfehler) ein Mädchen adoptiert.

Auch aus Angst, die kleine Leila (neun Monate) zu verlieren, wollte Robert seine Depressionen geheim halten.

Teresa: „Ja, das ist natürlich die Angst, dass man dann sagt, was denken die Leute, wenn man ein Kind hat und der Papa ist depressiv. Aber ich habe ihm damals auch schon immer gesagt, das ist kein Problem. Robert hat sich liebevoll um Leila gekümmert – bis zum Schluss. Ich habe auch schon mit dem Jugendamt telefoniert, und es hätte für alles eine Lösung gegeben.“

Bereits 2003 begab sich Robert Enke in Behandlung bei dem Kölner Arzt Dr. Valentin Markser: "Robert war erstmals 2003 in meiner Praxis. Er litt unter Depressionen und Versagensängsten. Er ließ sich täglich bei mir behandeln. Das stabilisierte sich aber innerhalb einiger Monate. Im Frühjahr 2004 konnte er in Spanien und später auch in Hannover wieder spielen. Es bestand ein sehr vertrauensvoller Kontakt. Er arbeitete sehr kooperativ mit."

Dr. Markser ist selbst sichtlich angegriffen, als über die Behandlung berichtet: "Noch am Tag des Selbstmords telefonierte er mit dem Klinik-Chef. Er wolle sich die Option einer stationären Aufnahme offen halten. Trotz ärztlicher Bemühungen gelang es uns nicht, Robert Enke vom Selbstmord abzuhalten."

Der Arzt berichtet auch: "In seinem Abschiedsbrief entschuldigte sich Robert Enke für die Täuschung über seine akuten Selbstmordgedanken. Wir haben die Depression nicht rechtzeitig bemerkt. Er hat es nicht gezeigt. Er hat bis zum Schluss die Veröffentlichung seiner Krankheit gescheut." Enke habe das Ausmaß der Depression gut verbergen können.

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