Empfehlen | Drucken | Kontakt01.09.2010 - 20:04 Uhr

WM-Held Thomas Müller: "Geld ist mir nicht wichtig"

Von MARCEL SCHWAMBORN
Die Augen weit aufgerissen, die Hände in Bewegung: Thomas Müller ist auch beim Gespräch stets aktiv.
Die Augen weit aufgerissen, die Hände in Bewegung: Thomas Müller ist auch beim Gespräch stets aktiv.
Foto: Storch
Frankfurt –  

Er war DIE deutsche WM-Entdeckung: Bayern-Star Thomas Müller (20) – Torschützen-König (5 Treffer, 3 Vorlagen), bester Nachwuchsspieler. Freitag trägt er erstmals nach der WM wieder das Nationaltrikot. EXPRESS traf Müller in Frankfurt.

Thomas Müller im Interview
Wo steht im Hause Müller eigentlich die Pokal-Vitrine?

Noch habe ich keine, da ich die meisten Trophäen erst zum Jahresende bekomme. Aber die Pokale werden schon einen würdigen Platz in unserem neuen Haus bekommen.

Warum ziehen Sie um?

Zuletzt wurde es ein bisschen schwierig mit der Privatsphäre, weil viele Fans vor unserem Haus gewartet und teilweise geklingelt haben. Das ging manchmal einen Schritt zu weit. Klar, als Fußballer ist man Teil des öffentlichen Lebens, allerdings muss man irgendwann auch eine Grenze ziehen.

Auch Ihre Eltern wurden ständig angerufen.

Ja, während der WM war das schon extrem. Mittlerweile geht's aber wieder.

Denken Sie bei der Wohnungssuche auch schon an Kinder?

Nein, das ist noch ziemlich weit weg. Wir müssen jetzt erst mal mit den Eindrücken, die uns das Leben gerade beschert, klarkommen: Damit haben wir gerade genug zu tun.

Es verändert sich gerade viel für Sie ...

Natürlich. Ich stehe jetzt permanent in der Öffentlichkeit und muss mich daran gewöhnen.

Karl-Heinz Rummenigge sagte, er könne sich nicht erinnern, wann ein Spieler so einen raketenartigen Aufstieg gehabt habe ...

Es ging tatsächlich alles extrem schnell. Aber es macht mir immer noch Spaß, es ist immer noch eine Herausforderung – und vor allem der Spaß am Fußball ist immer noch da.

Könnte die Erwartungshaltung zu groß werden?

Nein, wichtig ist für mich nur meine eigene Erwartungshaltung. Und ich denke, ich bin vom Kopf her gut gerüstet, damit umzugehen. In den drei Wochen Urlaub nach der WM zum Beispiel habe ich komplett abgeschaltet. So nach dem Motto: WM? War da mal was? Ich kann das alles schnell hinter mir lassen.

Nach der WM haben sich sicher Firmen gemeldet, die mit Ihnen werben wollen, oder?

Klar, da gab es eine Menge Anfragen. Da muss ich jetzt mit meinem Management die richtigen Firmen raussuchen. Das Produkt muss zu mir passen, und der zeitliche Aufwand darf nicht zu groß werden – ich bin ja im Hauptberuf immer noch Fußballer.

Auch Ihr Marktwert ist immens gestiegen.

Ach, Marktwert, das ist doch total abstrakt. Außerdem: Ich will ja gar nicht wechseln, da stellt sich die Frage nicht. Im übrigen: Auch wenn der Cristiano Ronaldo 95 Millionen kostet – der verliert auch Zweikämpfe. Und dann kann er sich von seinem Marktwert auch nichts kaufen.

Wird Ihnen nicht schwindelig, wenn sie auf den Kontoauszug schauen?

Nein. Mir ist Geld auch nicht so wichtig. Ich hab mir bisher nach der WM gar nichts Spezielles geleistet. Ich genieße es nur, eine gewisse finanzielle Freiheit zu haben. Zum Beispiel, dass ich mir, wenn ich in ein gutes Restaurant gehen will, nicht denken muss: Kann ich mir das leisten? Ich gehe gerne gut essen, aber ich brauch’ keine fünf Autos oder eine dicke Uhr am Arm.

Haben Sie sich eine Tor-Marke gesetzt?

Nee, das mache ich nicht. Sonst ist da ja kein Platz mehr nach oben. Wenn ich etwa sage, ich will fünf Tore schießen und habe dann fünf geschossen, dann müsste ich ja sogar aufhören. Das wäre auch nichts.

Welche Ziele haben Sie?

Für mich ist es ein Ziel, in acht Jahren immer noch Nationalspieler zu sein. Ich will mich bei Bayern und in der Nationalmannschaft langfristig etablieren, meine Leistung bringen und international vorne mitspielen. Ich will jedes Jahr Meister werden. Das ist mit Bayern machbar. Und wenn man im letzten Jahr im Champions-League-Finale verloren hat, dann will man das im nächsten Jahr natürlich gewinnen.

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