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Kein normaler Gegner: Meier: „Ich genieße jedes Spiel wie ein Fest“

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Daumen hoch: Norbert Meier ist davon überzeugt, dass Fortuna den Klassenerhalt schafft.
Daumen hoch: Norbert Meier ist davon überzeugt, dass Fortuna den Klassenerhalt schafft.
Foto: Anke Hesse
Düsseldorf –  

EXPRESS-Interview mit Fortunas Chefcoach Norbert Meier (54) vor dem Wiedersehen mit seiner alten Liebe Werder Bremen und dem Rekord-Trainer-Duell gegen Thomas Schaaf (51).

Noch 6 Spiele und Fortuna hat 5 Punkte Vorsprung auf Relegationsrang 16, dazu das bessere Torverhältnis. Hätten Sie vor der Saison so eine Ausgangslage unterschrieben?

Natürlich! Wir müssen uns von dem Gedanken frei machen: Hier geht es um den Abstieg. Die Mannschaft muss befreit spielen. Wir sind nicht in der Situation, dass wir abgeschlagen Tabellenletzter sind, sondern haben nach 28 Spieltagen eine sehr gute Ausgangslage.

Der Abstand auf Augsburg hat sich in den letzten sechs sieglosen Spielen halbiert. Geht das so weiter, wird es noch eng.

Wir haben immer mal Phasen gehabt, in denen es nicht so lief. Aber wir sehen keine Mannschaft, die am Boden zerstört ist, sondern eine, die sich nach wie vor an die Bundesliga gewöhnen muss. Gehen Sie bei uns die einzelnen Spieler mal durch, die teilweise nie zuvor Bundesliga gespielt haben. Die das schon mal gemacht haben, die spielen gar nicht.

Warum stürmt zum Beispiel Nando Rafael nicht mehr?
Wir wollen uns nicht über Einzelne unterhalten. Wir hatten nach 11 Spielen in der Hinserie 11 Punkte. Jetzt haben wir 8. Einen Sieg sind wir davon entfernt. Deshalb dürfen wir nicht unruhig werden, sondern müssen uns darauf besinnen, was uns stark gemacht hat. Das ist das Spiel gegen den Ball. Wir sind jetzt nicht urplötzlich eine Mannschaft geworden, die spielerisch alles aus den Angeln hebt. Aber auch wir können Fußball spielen. Wir sind nicht per Freilos in der Bundesliga oder haben das beim Kreuzworträtsel gewonnen. Das haben wir uns alles hart erarbeitet. Jetzt gilt es in den letzten Spielen hellwach zu sein, aber auch mit viel Freude ranzugehen. Jedes Spiel ist ein Fest nach den langen Jahren der Abstinenz.

Jetzt müssen Sie ausgerechnet Ihre alte Liebe Bremen mit in den Schlamassel ziehen.

Das ist sekundär, ob Werder oder den übernächsten Gegner. Da zählen alte Lieben nicht. Man freut sich, wenn man mal wieder in Bremen ist. Die freuen sich vielleicht nicht so, wenn sie hier sind.

... und Fortuna Werder mit einem Sieg überholt.

Das zeigt doch, dass wir gut im Rennen sind. Werder hat ganz andere Grundvoraussetzungen, Ziele und einen anderen Kader.

Norbert Meier versteht sich gut mit Thomas Schaaf.
Norbert Meier versteht sich gut mit Thomas Schaaf.
Foto: picture alliance / dpa

Haben Sie Mitleid mit Kollege Thomas Schaaf?

Aufgefallen sind mir Bremens klare Auswärtssiege in Hoffenheim (4:1), Stuttgart (4:1) und Freiburg (2:1). Sie haben sehr gute Fußballer mit Arnautovic, Elia, Petersen, de Bruyne – und eine gute Mannschaft.

Sportlich können Sie Werder trotzdem hinter sich lassen.

Als wir 2008 die Qualifikation für die eingleisige Dritte Liga in Angriff genommen haben, hat Werder Champions League gespielt. Jetzt spielen wir mit solch einem Klub in einer Liga und sind gar nicht so weit entfernt. Das ist erstaunlich. Aber natürlich gibt es auch bei Werder Dinge, die dazu geführt haben. Wenn Sie mich vor fünf Jahren bei einem Interview vor unserem Spiel in Burghausen gefragt hätten, Mensch, Werder spielt heute Champions League gegen Real Madrid, wann spielt Fortuna gegen Werder, dann hätten wir schön geflachst. Jetzt ist es so, dass wir diese Gelegenheit haben. Das muss man genießen. Das lebe ich vor.

Gibt es nichts, vor dem Sie Angst haben?

Wovor soll ich Angst haben? Es ist eine fantastische Geschichte. Wir wollen mit ganz viel Begeisterung und viel Selbstvertrauen spielen, nur ein bisschen Demut zeigen. Wir sind am 29. Spieltag - nicht wie prognostiziert der Absteiger Nummer 1 – sondern gut im Geschäft. Jetzt heißt es nur Kräfte bündeln.

Zurück zu Thomas Schaaf. Telefonieren Sie häufiger?

Nein. Wir sehen uns bei Trainertagungen, aber ansonsten ist dafür zu wenig Zeit.

Sie haben neun Jahre zusammen bei Werder gespielt.

Habe ich mit anderen auch. Wir haben ein gutes Verhältnis und eine schöne Zeit in Bremen zusammen erlebt. Das war ja so diese Vorreiter-Zeit. Ich bin in meiner ersten Saison mit Werder 1981 in die Bundesliga aufgestiegen. Dann hat sich Bremen entwickelt, international einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt. Ein sehr gut geführter und beliebter Verein, der zu meiner Zeit Bayern jahrelang Paroli geboten hat.

Axel Strötker und Otto Krause vom EXPRESS im Gespräch mit Fortunas Chefcoach Norbert Meier.
Axel Strötker und Otto Krause vom EXPRESS im Gespräch mit Fortunas Chefcoach Norbert Meier.
Foto: Anke Hesse

Sie sind Bremens Sportler des Jahres 1983, Meister und Superpokalsieger1988 – Werder ist kein normaler Gegner.

Thomas Schaaf und ich sind nicht die Hauptprotagonisten. Wir werden versuchen unsere Mannschaften bestmöglich einzustellen. Aber es sind die Spieler, die die Kohlen aus dem Feuer holen müssen.

Schaaf ist fast 14 Jahre im Amt, Sie gut fünf. Wie funktioniert das so lange bei einem Klub?

Thomas hat jedes Jahr neue Leute zur Verfügung. Bei Werder gab es Riesenschnitte, junge Leute sind gekommen. Die Gefahr der Abnutzung sehe ich nicht. Bei uns sind Andreas Lambertz und Jens Langeneke als einzige mit mir von Anfang an dabei. Ansonsten gab es eine Riesenfluktuation. Es macht Spaß, wie die Entwicklung voran geht. Und auch an den Zuschauerzahlen zu sehen ist. Wie die Leute hinter der Mannschaft stehen. Natürlich dürfen sie auch mal kritisch sein. Man muss auch mal in der Lage sein, ein Sprüchlein einzustecken. Das lernen auch die Spieler kennen. Als Last-Minute-Aufsteiger verliert man nun einmal mehr als man gewinnt.

Können Sie sich vorstellen in neun Jahren, also 2022, noch Fortunas Chefcoach zu sein?

Im Fußball kann man sich alles vorstellen. Ich fühle mich hier wohl. Jeder Tag ist für mich schön, auch wenn es regnet. Ich habe immer Riesenspaß mit der Mannschaft. Es gibt Situationen, da kracht es auch mal. Aber das ist überall so und nichts Ungewöhnliches. Wir haben alle in den letzten Jahren viel gearbeitet, damit es gut voran geht. Fortuna ist keine One-Man-Show, sondern ein Orchester. Das Gesamt-Orchester arbeitet ziemlich gut und bei uns ist es ein großes Orchester.

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