Mittwoch endet Fortunas Trainingslager in Marbella, und ein Bild bot sich dabei ständig: Wolf Werner mit Handy am Ohr.
Vor dem Endspurt des zweiten Transferfensters spricht der Manager im EXPRESS über Berater, neue Spieler und gestiegene Ansprüche.
Zu Beginn des Trainingslagers platzte der Transfer von Tomislav Barbaric, der die sportmedizinische Untersuchung nicht bestand. Wann haben Sie danach den nächsten Innenverteidiger angeboten bekommen?
Zehn Minuten, nachdem die Nachricht im Internet stand, kam der erste Anruf: „Wir haben gehört...“
Wie kommen die Angebote im Allgemeinen rein?
Meistens sind es Anrufe oder SMS, plus ein paar die auch noch das Internet quälen. Etwa 15 Angebote haben wir bekommen. Da sind ein paar Neue dabei, aber auch einige die uns schon vorher angeboten wurden. Wir selektieren nach dem, was uns helfen könnte. Spieler, die wir nicht einordnen können, fallen gleich aus dem Raster.
Mit wie vielen Agenten stehen Sie im Kontakt?
Seit ich bei Fortuna bin, sind 150 neue Berater dazugekommen. Darunter sind viele, die für eine Agentur arbeiten. Aber auch viele Neue mit sehr fantasievollen Namen. Die Zahl ist aber nicht ungewöhnlich, schließlich hatte ich vorher bei Werder Bremen eine völlig andere Aufgabe, war für den Nachwuchs und die Zweite Mannschaft zuständig.
Was war das ungewöhnlichste Angebot, das Sie in diesen Tagen erhalten haben?
Dienstag hat jemand aus Katar angerufen, ich konnte die Ländervorwahl gar nicht einordnen. Das ist schon interessant, welchen Bekanntheitsgrad Fortuna hat. Er sagte, er könnte im nächsten Jahr ein Trainingslager in Katar für uns organisieren. Wir sind hier in Marbella mehr als gut bedient, aber wenn man das bezahlt bekommt...
Sie sagten im Vorfeld, im Winter werde personell nur dann aufgestockt, wenn jemand geht. Als einziger Spieler ging Karim Aouadhi. Trotzdem sind schon zwei Neue da und Sie suchen weiter.
Wir haben inzwischen umgedacht, wollen die Mannschaft so gut wie möglich aufstellen, um diese Riesen-Chance zu nutzen. Dazu brauchen wir Spieler, die den etablierten Spielern Konkurrenz machen. Denn wir können ja machen was wir wollen - das Umfeld erwartet eh nur das eine.
Wie haben Sie den Furuholm-Transfer geschafft? Der erzielte letzte Saison immerhin 22 Treffer.
Es ist toll, dass wir überhaupt an ihn drangekommen sind. Normal sind die Finnen in England beheimatet, aber wir waren schneller. Seinen Berater kenne ich seit 30 Jahren, habe ihn einmal angerufen. Dann habe ich mit unserem Cheftrainer Norbert Meier gesprochen, acht Tage später war die Sache erledigt.
Die neue Politik hat aber doch nicht nur etwas mit der Tabellensituation zu tun?
Nein, wir wollen einfach nicht wieder nur Aderlass haben wie es damals bei Martin Harnik der Fall war. Zeitgleich hat dann noch Lawaree aufgehört und wir hatten mit Jovanovic nur noch einen Stürmer im Kader. Solche Dinge wollen wir in Zukunft vermeiden. Mit Beister verlieren wir ja jetzt schon einen Stürmer.
Zurück zum möglichen neuen Innenverteidiger. Wer soll es denn jetzt werden?
Es gibt derzeit keine Namen. Wir werden auf dieser Position auch nur etwas machen wenn wir überzeugt sind, dass es sich für Fortuna lohnt. Wir haben schließlich auch interne Möglichkeiten: Bodzek hat in Duisburg Innenverteidiger gespielt, Levels in Gladbach. Wir werden also nicht in Nöte geraten, obwohl so etwas dann natürlich auch wieder andere Umstellungen zur Folge hätte.
Geben Sie in der Winterpause noch Spieler ab?
Jena und Oberhausen wollten Kai Schwertfeger ausleihen, beiden hat er abgesagt. Das ist sein gutes Recht. Er besitzt einen Vertrag bei Fortuna.
Ist es nicht schade, dass ein Aufstiegsheld wie Schwertfeger so völlig auf dem Abstellgleis steht?
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In meiner Zeit bei Werder ist Thomas Schaaf nach zwei, drei Jahren als Trainer zu den Profis gewechselt. Damals hatte er dort 16 Spieler aus der Jugend und dem Amateurbereich in seinem Kader. Dann kam Bremen in die Champions League und die Ansprüche waren gestiegen. Auch an uns werden sie höher und wir müssen uns danach richten. Sonst werden wir die Träume unserer Fans nicht erfüllen können.
Zum Schluss dann noch die obligatorische Frage nach dem Stand der Dinge in Sachen Lukimya...
Ich kann immer noch ruhig schlafen und mache mir nicht jeden Tag Gedanken um Luki. Er kennt unser Angebot, und wir starten doch jetzt erst in die Restrückrunde. Wir sind nicht zu überstürztem Handeln gezwungen und werden Ende Februar, Anfang März in allen Bereichen strategisch handeln.
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