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Total-Überwachung: Neue Superkameras entlarven alle Rowdies

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Christoph Seiler, Leiter der Gebäudetechnik überwacht die Kamerabilder im RheinEnergieStadion.
Christoph Seiler, Leiter der Gebäudetechnik überwacht die Kamerabilder im RheinEnergieStadion.
Foto: Herbert Bucco
Köln –  

Ein Fan im Gästeblock fühlt sich unertappt. Er nimmt seinen Bierbecher, feuert ihn aufs Spielfeld und trifft den Kölner Profi, der gerade den Eckstoß ausführt. Er versteckt sich im Pulk und denkt, seine Identität bliebe verborgen. Doch nichts da! Wenige Meter weiter haben die Beamten der Polizeileitstelle im Ostbereich der Arena ihn längst auf Schirm. Messerscharf im Blick - und können zugreifen.

Ab sofort entgeht den Kameras im RheinEnergieStadion nichts mehr.
Ab sofort entgeht den Kameras im RheinEnergieStadion nichts mehr.
Foto: Herbert Bucco

Im Auge des FC! Ab sofort entgeht den Kameras im RheinEnergieStadion nichts mehr. Das neue „Panomera“-System, das auch in Dortmund, Leverkusen, Berlin und Mönchengladbach zum Einsatz kommt, ermöglicht dank 50 Sensoren (36 im Nordbereich, 14 im Südbereich) eine Total-Überwachung der Ereignisse vor, während und nach einem Heimspiel.

Angebracht sind die Kamerablöcke nach EXPRESS-Informationen im zentralen Westbereich der Arena. „Ein Heranzoomen von 280 bis 360 Pixel ist möglich. Sechsmal so viel wie zuvor“, erklärt Christoph Seiler, Leiter der Gebäudetechnik.

„Die Bedienung obliegt der Polizei. Im Gast- und Heimbereich kann man einzelne Segmente massiv durch das Ballfangnetz heranzoomen. Beim Heimspiel gegen Ingolstadt ist das System das erste Mal gelaufen. Die Datenmenge eines Spieltages von drei Stunden und 20 Minuten, ca. 1,3 Terabyte, wird gespeichert.“

Die Kosten von 280.000 Euro haben sich die Sportstätten und der FC geteilt. Sportstätten-Chef Hans Rütten (59): „Das Thema ist nicht neu, wir arbeiten seit ein einigen Monaten daran. Es hat Vorfälle gegeben, nicht nur, aber auch in Köln, die uns dazu veranlasst haben, darüber nachzudenken, ob unsere technische Ausstattung dem Stand der Dinge entspricht. Diese Frage war mit Nein zu beantworten. Jetzt sind wir in der Lage, Bilder zu produzieren, die gerichtsverwertbar sind. Das war vorher nicht so möglich.“

Einer der besagten Vorfälle war die „schwarze Wand“ beim FC-Abstiegsspiel gegen die Bayern. Damals ging die Südkurve nach gezündeter Pyro-Technik buchstäblich in Rauch auf. Werner Spinner (64) sah mit Entsetzen, was sich abspielte.

Der Präsident trieb neben dem immer offeneren Fandialog die Einführung des neuen Überwachungssystems voran. Fanbeauftragter Rainer Mendel (47): „Das war ein großes Anliegen von Werner Spinner nach Amtsantritt.“

Im Auge des FC. Ab jetzt sollten sich Chaoten zweimal überlegen, ob sie im Stadion ausrasten. Strafrichter Thomas Schönig, Vorsitzender der „Arbeitsgruppe Fankultur“ erklärt: „Das neue System ermöglicht uns, den Straftaten ein Gesicht zu geben. Das sind jetzt nicht mehr Gruppen, die in Verantwortung genommen werden. Wir können individualisieren. Das ist ein ganz großer Vorteil für uns.“

Damit die Übeltäter im Falle des Tatbestands ermittelt werden - und nie mehr wiederkommen dürfen.

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