Der Duft der frisch gerösteten Kaffeebohnen zaubert Holger Stanislawski (43) gleich ein Lächeln ins Gesicht. Hier in Kölns ältester Kaffeerösterei bei der Familie Schamong in Ehrenfeld fühlt sich der FC-Trainer richtig wohl.
Er probiert einen leckeren Cappuccino und lässt sich die Geheimnisse des indonesischen Katzenkaffees erklären. Es ist die zweitteuerste Café-Spezialität der Welt, Katzen fressen die Bohnen und scheiden sie halbverdaut wieder aus, in Japan zahlt man für eine Tasse umgerechnet 80 Euro.
Ein guter Platz für den EXPRESS, Stani zum exklusiven Abschluss-Interview zu bitten. Der Reporter saß dabei auf einem Sack nicaraguanischer Bohnen, der Coach bevorzugte die milde Sorte aus Hawaii. Genauso milde fällt sein Urteil aus: „Im Großen und Ganzen können wir zufrieden sein. Platz drei ist in Reichweite, wir werden darum kämpfen.“
Lesen Sie im ersten Teil des EXPRESS-Interviews, was für Stanislawski die Highlights und Tiefpunkte der Hinrunde waren, wo er auf Verstärkungen drängt und über seinen Traum vom Duell mit Ex-Klub Hoffenheim.
Holger Stanislawski, die Hinrunde endete mit dem Pokal-Aus in Stuttgart. Ist die Niederlage schon verdaut?
Sie wurmt mich schon noch ein bisschen, weil wir gerade in der zweiten Halbzeit ein gleichwertiger Gegner waren – wenn nicht sogar die bessere Mannschaft. Ich hatte das Gefühl, wir hatten trotz der langen Runde am Ende noch mehr zuzulegen. Wenn wir kurz vor Schluss den Ausgleich gemacht hätten, hätten wir in der Verlängerung die besseren Karten gehabt.
Die Enttäuschung ist also groß?
Ich bin eher stolz auf meine Mannschaft, was sie da noch rausgehauen hat. Das kommt bei den Menschen an. Was mich wirklich beeindruckt hat: Als wir um 4.30 Uhr aus dem Bus stiegen, standen da drei Fans. Sie sind nach Stuttgart gefahren und wollten sich bei uns für die Leistung bedanken und sagen, was für eine tolle Mannschaft wir haben. Das macht einen froh. Denn es ist nicht lange her, da standen Leute aus ganz anderen Gründen nachts am Geißbockheim.
Was war Ihr persönliches Highlight der Hinrunde?
Die Partie gegen Kaiserslautern war das beste Zweitliga-Spiel der ganzen Saison. Dicht gefolgt von unserem Auftritt gegen Braunschweig. Und wie wir das Ding in Regensburg gedreht haben, das war auch ein besonderes Erlebnis.
Der Tiefpunkt?
Das Spiel in Aalen. Aber so was hast du mal in einer Saison.
Was war gut?
Wie wir uns in beinahe jedem Spiel reingehauen haben, wie die Truppe sich nach dem Fehlstart gefangen hat und konstant gepunktet hat.
Und was muss besser werden?
Wir sind insgesamt nicht konstant genug, da sind mir noch zu viele Wellen drin. Bei vielen Spielern. Ein Beispiel: Neulich war Adam Matuschyk bei mir. Ein herausragender Fußballer, mehr ein Achter als ein Sechser, mit vielen Qualitäten. Ich habe ihn gefragt: Weißt du, warum du nicht immer spielst? Er sagte: Sie werden Ihre Gründe haben. Ich habe ihm dann erklärt, dass mir manchmal die Spannung bei ihm fehlt, er es dann einfach laufen lässt. Adam hat eingeräumt, dass er daran arbeiten muss und will. Aber man sieht bei vielen die Entwicklung. Anderes Beispiel: Mato Jajalo habe ich mir irgendwann dazwischengenommen. Auch ein Spieler mit Riesen-Qualitäten. Aber er hat häufig nur quer gespielt, dadurch das Tempo verschleppt. In den letzten Spielen hat er dann umgesetzt, was ich von ihm sehen will: Zwei Kontakte, mutig nach vorne. Und man merkt, dass die gesamte Mannschaft da hinkommt.
Es gibt Kritiker, die sagen: Fußballerisch ist das beim FC zu wenig.
Man muss sich nur mal die Statistiken anschauen: Wir haben die meisten Torschüsse, die meisten Pässe gespielt, die meisten Zweikämpfe gewonnen, die meisten schnellen Läufe, die meisten Flanken. Das kann so verkehrt nicht sein.
Aber warum steht der FC dann nicht ganz oben?
Weil uns vorne der Bums fehlt. Tony Ujah hat das in den Heimspielen gut gemacht, aber insgesamt kam bei uns offensiv noch nicht genug. Da müssen wir uns verbessern.
Auch mit neuen Spielern?
Wenn es geht, ja. Wir haben vorne und im Abwehrbereich nicht viele Alternativen. Da beobachten wir den Markt. Wenn es nach mir geht, hätte ich den oder die neuen am liebsten schon im Trainingslager dabei. Denn da wollen wir uns die gleiche Fitness erarbeiten wie in der Hinrunde. Und dann wollen wir in den letzten 15 Spielen schauen, was noch möglich ist.
Was ist denn noch möglich?
Braunschweig und Hertha sind weg. Aber Platz 3 und Kaiserslautern sind noch in Sichtweite. Natürlich steht der Umbruch über allem, aber solange wir eine Chance haben, werden wir darum kämpfen. Wenn es am Ende nicht reicht, dann ist es eben so.
Zumal da ja unter Umständen ein Duell mit ihrem Ex-Klub Hoffenheim winkt...
Das wäre für mich das persönliche Champions-League-Endspiel, keine Frage. Aber das Kapitel Hoffenheim habe ich abgeschlossen.
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