Köln - Tristesse am Geißbockheim. Kaum ein Fan wollte am Montag die Schalke-Verlierer beim Training sehen, niemand fragte nach einem Autogramm.
Stattdessen Kamerateams und Reporter, die eine Frage umtrieb: Wie lange darf Zvonimir Soldo noch verlieren?
Der schlechteste Saisonstart seit 17 Jahren (damals hatte der FC mit Jörg Berger nach fünf Spielen ebenfalls erst einen Punkt) ist nach dem 1:2 gegen Schalke perfekt. Und Köln funkt SOS: Soldo ohne Sieg.
Schlechter ist kein neuer Trainer beim FC gestartet.Ganz Fußball-Köln fragt sich: Ist Trainer-Neuling Soldo mit diesem schweren Startprogramm und diesem schwierigen Kader der richtige Mann für den Weg aus dem Keller?
Kann er sich mit seiner leisen Stimme, seinem charmant netten, aber oft unsicheren Auftreten im Haifischbecken Bundesliga wirklich behaupten? Schon machen die ersten Namen von Nachfolge-Kandidaten die Runde, wie Ex-96-Coach Dieter Hecking und vor allem Hans Meyer.
Wobei Hecking, der in der Klubspitze hohes Ansehen genießt, eher für langfristige Aufbauarbeit steht, Meyer für kurzfristige Rettung.
„Der gesamte Vorstand war der Meinung, mit Soldo den Richtigen gefunden zu haben. Und wir sind auch jetzt noch dieser Meinung!“, wehrt Manager Michael Meier ab, „der Trainer genießt unser volles Vertrauen.“
Die Stimmung im Team aber ist gedämpft. Nach der Schalke-Pleite sah man Lukas Podolski beim Gang in die Tiefgarage des Stadions den nackten Frust an. Auch am Montag herrschte in der Kabine am Geißbockheim Untergangsstimmung!
Bei diversen Disziplinlosigkeiten von Womé (Telefonieren während eines Spiels auf der Ersatzbank) und Ishiaku (Verspätungen) versäumte es Soldo zudem, Härte zu zeigen - auch öffentlich. Petits mangelnde Fitness wird seit Wochen mangels Alternativen gedeckt.
Jetzt warten alle auf eine Idee des Coachs. Aber das angedachte Trainingslager verwarf Soldo am Montag wieder, nachdem es schon am Wochenede sein mutigster Schachzug gewesen war, die Trikotfarbe zu wechseln…
Stattdessen sollen am Dienstag - wie nach der Hamburg-Pleite - die Fehler aus dem Schalke-Spiel per Video analysiert werden. Anregungen, am Training etwas zu ändern, lehnt der Kroate ab. Die teuren Mountainbikes etwa, die Vorgänger Daum (übrigens: auch 5 Spiele, aber 5 Siege mit Fenerbahce) anschaffte, um nach dem Training auszufahren, verstauben in den Katakomben des Geißbockheims.
Aber: noch ist die Saison jung - und der Coach kann das Ruder noch rumreißen! Meier: „Soldo hat als Spieler schon so viele Drucksituationen überstanden. Er weiß, wie er damit umzugehen hat.“ Doch der Jungtrainer braucht Siege - und das schnell.
„Uns hat das Glück verlassen. Und das gehört im Fußball dazu“, beschwört Manager Meier, „es gibt in diesem Sport Dinge jenseits der Algebra. Gegen Schalke, das war auch viel Pech.“
Dennoch bleibt eine Frage offen: Wie oft darf Soldo noch verlieren? Oft ganz sicher nicht mehr, denn den Machern im Klub fällt es schon jetzt schwer genug, ihren erfolglosen Cheftrainer-Neuling in der Öffentlichkeit ins rechte Licht zu rücken.
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