Letzten Montag war ich in der Höhle des Löwen - beim „FC-Stammtisch“ im „Gaffel am Dom“. Es hat mir Spaß gemacht, mitten unter Kölner Hardcore-Fans meine Meinung vertreten zu können. Und wenn die auch nicht immer geteilt wurde, war die Stimmung doch sehr freundlich und entspannt.
Ich hoffe, das wird am Samstag genauso sein. Bayer gegen den FC – da sprühen die Funken. Aber bitte nur auf dem Rasen, Fairness und Gewaltlosigkeit muss oberstes Gebot bleiben!
Wie groß die Abneigung vieler Kölner Traditionalisten gegen den „aufstrebenden“ Werksklub ist (der nun auch schon fast 31 Jahre ununterbrochen in der Bundesliga spielt!), erfuhr ich am Montag ebenfalls. Der ein oder andere weigerte sich strikt, von einem Derby zu sprechen.
Für mich ist das Blödsinn!
Natürlich ist das Spiel zwischen zwei Klubs, dessen Stadien nur 20 km voneinander entfernt und deren Städte nur durch eine Brücke getrennt sind, ein Derby. Die Emotionen kochen höher, die Fans des siegreichen Teams freuen sich in der Regel mindestens doppelt so viel wie bei einem normalen Bundesliga-Spiel. Achtet mal drauf, liebe Kölner: Wenn der FC am Samstag gewinnt, dann wird unterm Dom gejubelt, als hätte man die Champions League erreicht. Das ist was anderes als gegen Mainz oder Frankfurt zu siegen.
Aber hat der FC eine Chance? Normalerweise nicht! Bayer ist, und das sieht man auch ohne Vereinsbrille so, in allen sportlichen Belangen besser aufgestellt. Platz eins ohne Niederlage in 23 Spielen – solch eine Erfolgsgeschichte hat nichts mit Zufall zu tun. Das ist ein Ergebnis harter Arbeit.
Und die Kölner? Die können relativ unbeschwert aufspielen. Nach der Pleite gegen Stuttgart ist das Vertrauen ins Team erheblich gesunken. Seit 13 Jahren hat der FC nicht mehr gegen Leverkusen gewonnen – was für eine Bilanz.
Und doch: Es gibt Hoffnung! Die FC-Fans und Stadionsprecher Michael Trippel klärten mich auf. Die 13, so erzählten sie, sei die Glückszahl des FC. Gegründet an einem 13. Februar, erstmals Deutscher Meister an einem 13. Mai – nun der erste Sieg im Derby nach 13 Jahren? Es wäre eine kleine Sensation. Aber von denen lebt der Fußball ja sehr gut. Und die Kölner verweisen gerne auf den letztjährigen Überraschungssieg am Karnevalssamstag beim FC Bayern hin.
Was die Bayer-Fans angeht: Ihre Leidensfähigkeit lässt sich mit der der FC-Fans messen. Vizemeisterschaften, verlorene Finals, Abstiegsangst – Bayer bot auch zu meiner Zeit als Manager alles, was das Fan-Herz begehrt oder auch nicht. Da sind sich beide Klubs ähnlich.
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